Roger Fenton und Felice Beato

Nachdem die Grundstrukturen der Fotografie gelegt waren, ermöglichten zunehmende technische Erleichterungen, einen immer vielfältigeren Einsatz. Im Jahr 1871 wurde die Nassplatte durch die weniger aufwändige Trockenplatte (Trockenes Gelatineverfahren) ersetzt und ein Jahr später darüber hinaus auch die telegraphische Bildübertragung perfektioniert. Die Präzision der Objektive wurde schrittweise weiterentwickelt, 1880 die erste Fotografie mechanisch gerastert und in einer Zeitung reproduziert und 1884 der erste Rollfilm eingeführt. Das alles eröffnete dem neuen Medium Möglichkeiten, die seine Bedeutung für die Kommunikation der Zukunft revolutionierten. Bilder konnten nun auch Botschaften übermitteln. Vorreiter dieser Entwicklung waren Fotografen, die nicht mehr nur Bauten, Landschaften und Menschen sondern auch historische Ereignisse für die Nachwelt festhielten.

Einer von ihnen war Roger Fenton (* 28. März 1819 in Crimble Hall bei Heywood, Lancashire; † 8. August 1869 in Potters Bar, damals in Middlesex, inzwischen in Hertfordshire), der 1855 im Auftrag der britischen Regierung den Krimkrieg dokumentieren sollte. Nicht zuletzt um den Unmut der Bevölkerung über die blutigen und festgefahrenen Auseinandersetzungen zu beschwichtigen. Aufgrund der immer noch langen Belichtungszeiten war es Fenton nicht möglich, Kampfhandlungen zu fotografieren. Er reiste noch mit einer fahrbaren Dunkelkammer, die in einem Pferdewagen untergebracht war, wo er unmittelbar vor jeder Aufnahme die Fotoplatten mit lichtempfindlichem Kollodium beschichten musste. Abgesehen davon war es ihm durch die Britische Krone ohnehin strikt untersagt, verwundete oder tote Soldaten abzulichten. Seine mehr als 350 Aufnahmen waren also teilweise nur gestellt und entsprachen natürlich nicht den Vorstellungen einer durch Schlachtengemälde und rhetorische Propaganda geprägten Gesellschaft.

Roger Fenton, „The Valley of the Shadow of Death“ (Feldweg in Ravine/Krim, übersät mit Kanonenkugeln) (1855)

Noch vor Beendigung des Krieges kehrte Fenton zermürbt und an Cholera erkrankt zurück. Die zunehmende Kommerzialisierung der Fotografie brachte ihn wohl 1862 dazu, sich von ihr abzuwenden und wieder seinem alten Beruf als Jurist zu widmen.

Seine Arbeit auf der Krim wurde fortgesetzt von dem Italiener Felice Beato (* 1832 in Venedig; † 29. Januar 1909 in Florenz), der daraufhin fünf Jahre lang der Spur kriegerischer Verwüstung in der Welt folgte und dessen Bilder von den Aufständen in Indien (1858) und vom Opiumkrieg in China (1860) bereits eine drastischere Sprache sprechen:

Felice Beato, „The hanging of two participants in the Indian Rebellion of 1857“ (1858)

Mehr als irgendein anderer Fotograf des 19. Jahrhunderts konzentrierte sich Felice Beato auf die fotografische Dokumentation kriegerischer Auseinandersetzungen und Konflikte.

Später wurde er vor allem für seine Porträts sowie Landschafts- und Architekturaufnahmen aus Asien bekannt, die Europäern und Nordamerikanern Einblicke in das Leben dort verschafften und häufig die einzigen Bilddokumente für Ereignisse auf dem asiatischen Kontinent in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts waren. Wegen seines umfangreichen Œuvres zählt man ihn heute zu den frühen Fotojournalisten. Darüber hinaus haben seine Arbeiten die Entwicklung der Fotografie vor allem in Japan, wo er mehr als zwanzig Jahre lang lebte und zahlreiche Fotografen ausbildete, stark geprägt.

Quellen: wikipedia,

The J. Paul Getty Museum,

Boris von Brauchitsch, „Kleine Geschichte der Fotografie“ Philipp Reclam jun. Stuttgart 2002

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