Questions of Travel

Luigi Ghirri - Mare
Luigi Ghirri, „Tellaro, Italia“ (1980)

Think of the long trip home. / Should we have stayed at home and thought of here? / Where should we be today? / Is it right to be watching strangers in a play / in this strangest of theatres? / What childishness is it that while there’s a breath of life / in our bodies, we are determined to rush / to see the sun the other way around? / The tiniest green hummingbird in the world? / To stare at some inexplicable old stonework, / inexplicable and impenetrable, / at any view, / instantly seen and always, always delightful? / Oh, must we dream our dreams / and have them, too? / And have we room / for one more folded sunset, still quite warm?

‚Is it lack of imagination that makes us come / to imagined places, not just stay at home? / Or could Pascal have been not entirely right / about just sitting quietly in one’s room?

Continent, city, country, society: / the choice is never wide and never free. / And here, or there… No. Should we have stayed at home, / wherever that may be? ‚

Elisabeth Bishop, „Questions of Travel“

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A slender thread

Photography […] I believe it to be an extraordinary visual language for being able to increase this desire for the infinite we all have within us. As I said before, it constitutes a great adventure in the world of thinking and looking, a great, magical toy that succeeds miraculously to combine our adult awareness with the fairy-tale world of childhood […], Borges wrote of a painter who wanted to paint the world, and began with pictures of lakes, mountains, boats, animals, faces, objects. At the end of his life, putting together all of his pictures and drawings, he noticed that this immense mosaic was his own face. The starting point of my project and photographic work may be compared to this tale. The intention of finding a key, a structure for every single image, which all together goes to form another. A slender thread that binds autobiography and the external world.

Luigi Ghirri, „L’opera aperta“

Ich bin in Sehnsucht eingehüllt

Es sind meine Nächte
durchflochten von Träumen,
die schwer sind wie müder Sand.
Ich träume, es fallen von sterbenden Bäumen
die Blätter in meine Hand.

Ugo Mellone, "Butterfly in Crystal" (2015)

Und alle diese Blätter,
sie werden zu Händen,
die zärteln wie rollender Sand
und müd sind wie Falter, die wissen: sie enden
noch eh‘ sie ein Sonnenstrahl fand.

Selma Meerbaum-Eisinger, aus: „Träume“

Ugo Mellone ist mit seinem Bild „Butterfly in Crystal“ Gewinner des Wettbewerbs „Wildlife Photographer of the Year“ in der Kategorie „Invertebrates“.

Mehr dazu auf der Seite des Natural History Museums London.

Im Café der verlorenen Jugend

Paolo Roversi, "Théatre" (Paris, 1998)
Paolo Roversi, „Théatre“ (Paris, 1998)

Ich ließ mich von einem Rausch überwältigen, den Alkohol oder Schnee mir niemals verschafft hätten… Später habe ich den gleichen Rausch immer dann verspürt, wenn ich die Brücken zu jemandem abbrach. Ich war nur dann wirklich ich selbst, wenn ich ausriss. Meine einzigen guten Erinnerungen sind Erinnerungen an Flucht und Weglaufen…

Und dann ist das Leben weitergegangen, mit seinen Höhen und Tiefen. An einem trübseligen Tag habe ich auf dem Einband eines Buches, das Guy de Vere mir geliehen hatte: „Louise du Néant“, mit Kugelschreiber den Vornamen durch meinen eigenen ersetzt: Jacqueline du Néant, Jacqueline aus dem Nichts.

Patrick Modiano, „Im Café der verlorenen Jugend“

Der Horizont

Er stellte ein merkwürdiges Phänomen fest. Dieser Traum erhellte durch sein Licht alles, was Wirklichkeit gewesen war, die Straßen, die Menschen, mit denen Margaret und er gemeinsam in Berührung gekommen waren. Und wenn dieses Licht nun das wahre Licht gewesen war, jenes Licht, das sie beide damals umstrahlte? Warum hatte er dann in jener Zeit die zwei Hefte vollgeschrieben mit einer kleinen Schrift, die ein Gefühl von Beklemmung und Ersticken verriet?

Sarah Moon, "Suzanne aux Tuileries" (1974)
Sarah Moon, „Suzanne aux Tuileries“ (1974)

Er glaubte, die Antwort zu finden. Alles, was man tagein, tagaus erlebt, ist gekennzeichnet von den Ungewissheiten der Gegenwart… Doch aus der Ferne betrachtet, mit dem Abstand der Jahre, sind die Ungewissheiten und Ängste, die man in einem bestimmten Augenblick durchgestanden hat, verflogen wie das Rauschen, das einen hinderte, im Radio kristallklare Musik zu hören. Ja, wenn ich jetzt daran zurückdenke, dann war es genau wie im Traum: Margaret und ich, die einander gegenübersitzen in einem reinen und zeitlosen Licht.

Patrick Modiano, „Der Horizont“

Roger Fenton und Felice Beato

Nachdem die Grundstrukturen der Fotografie gelegt waren, ermöglichten zunehmende technische Erleichterungen, einen immer vielfältigeren Einsatz. Im Jahr 1871 wurde die Nassplatte durch die weniger aufwändige Trockenplatte (Trockenes Gelatineverfahren) ersetzt und ein Jahr später darüber hinaus auch die telegraphische Bildübertragung perfektioniert. Die Präzision der Objektive wurde schrittweise weiterentwickelt, 1880 die erste Fotografie mechanisch gerastert und in einer Zeitung reproduziert und 1884 der erste Rollfilm eingeführt. Das alles eröffnete dem neuen Medium Möglichkeiten, die seine Bedeutung für die Kommunikation der Zukunft revolutionierten. Bilder konnten nun auch Botschaften übermitteln. Vorreiter dieser Entwicklung waren Fotografen, die nicht mehr nur Bauten, Landschaften und Menschen sondern auch historische Ereignisse für die Nachwelt festhielten.

Einer von ihnen war Roger Fenton (* 28. März 1819 in Crimble Hall bei Heywood, Lancashire; † 8. August 1869 in Potters Bar, damals in Middlesex, inzwischen in Hertfordshire), der 1855 im Auftrag der britischen Regierung den Krimkrieg dokumentieren sollte. Nicht zuletzt um den Unmut der Bevölkerung über die blutigen und festgefahrenen Auseinandersetzungen zu beschwichtigen. Aufgrund der immer noch langen Belichtungszeiten war es Fenton nicht möglich, Kampfhandlungen zu fotografieren. Er reiste noch mit einer fahrbaren Dunkelkammer, die in einem Pferdewagen untergebracht war, wo er unmittelbar vor jeder Aufnahme die Fotoplatten mit lichtempfindlichem Kollodium beschichten musste. Abgesehen davon war es ihm durch die Britische Krone ohnehin strikt untersagt, verwundete oder tote Soldaten abzulichten. Seine mehr als 350 Aufnahmen waren also teilweise nur gestellt und entsprachen natürlich nicht den Vorstellungen einer durch Schlachtengemälde und rhetorische Propaganda geprägten Gesellschaft.

Roger Fenton, „The Valley of the Shadow of Death“ (Feldweg in Ravine/Krim, übersät mit Kanonenkugeln) (1855)

Noch vor Beendigung des Krieges kehrte Fenton zermürbt und an Cholera erkrankt zurück. Die zunehmende Kommerzialisierung der Fotografie brachte ihn wohl 1862 dazu, sich von ihr abzuwenden und wieder seinem alten Beruf als Jurist zu widmen.

Seine Arbeit auf der Krim wurde fortgesetzt von dem Italiener Felice Beato (* 1832 in Venedig; † 29. Januar 1909 in Florenz), der daraufhin fünf Jahre lang der Spur kriegerischer Verwüstung in der Welt folgte und dessen Bilder von den Aufständen in Indien (1858) und vom Opiumkrieg in China (1860) bereits eine drastischere Sprache sprechen:

Felice Beato, „The hanging of two participants in the Indian Rebellion of 1857“ (1858)

Mehr als irgendein anderer Fotograf des 19. Jahrhunderts konzentrierte sich Felice Beato auf die fotografische Dokumentation kriegerischer Auseinandersetzungen und Konflikte.

Später wurde er vor allem für seine Porträts sowie Landschafts- und Architekturaufnahmen aus Asien bekannt, die Europäern und Nordamerikanern Einblicke in das Leben dort verschafften und häufig die einzigen Bilddokumente für Ereignisse auf dem asiatischen Kontinent in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts waren. Wegen seines umfangreichen Œuvres zählt man ihn heute zu den frühen Fotojournalisten. Darüber hinaus haben seine Arbeiten die Entwicklung der Fotografie vor allem in Japan, wo er mehr als zwanzig Jahre lang lebte und zahlreiche Fotografen ausbildete, stark geprägt.

Quellen: wikipedia,

The J. Paul Getty Museum,

Boris von Brauchitsch, „Kleine Geschichte der Fotografie“ Philipp Reclam jun. Stuttgart 2002