William Henry Fox Talbot

William Henry Fox Talbot (* 11. Februar 1800 in Melbury, Grafschaft Dorset, England; † 17. September 1877 in Lacock Abbey, Grafschaft Wiltshire, England) gelangen die Entdeckungen, die ihm einen Platz in der Geschichte der Fotografie sicherten. Er entwickelte das Prinzip des Negativ-Positiv-Verfahrens, das die Vervielfältigung eines fotografischen Bildes durch Abzüge vom Negativ ermöglichte. Es wurde zur Grundlage aller wesentlichen fotografischen Prozesse seit etwa 1860 bis zur verbreiteten Anwendung der Digitalfotografie. Zuvor dominierte die zeitgleich mit Talbots Entdeckungen entstandene Daguerreotypie.

Zu Beginn seiner Arbeit präparierte er normales Schreibpapier mit verschiedenen Lösungen von Kochsalz und Silbernitrat und machte es auf diese Weise lichtempfindlich, legte undurchsichtige Objekte darauf und setzte es der Sonne aus. Die belichteten Partien verfärbten sich dunkel, die übrigen blieben hell. Die so entstandenen Fotogramme nannte er sciagraphs (Schattenzeichnungen).

Während eines Aufenthalts in Genf setzte Talbot im Herbst 1834 seine Versuche fort. Seine Papiere waren noch nicht lichtempfindlich genug, um in einer Kamera verwendet zu werden. Er bat daher einen befreundeten Künstler, in eine lichtdicht beschichtete Glasplatte eine Zeichnung zu ritzen, kopierte dieses Negativ mehrfach auf seine lichtempfindlichen Blätter und begründete so eine grafische Technik, die später cliché-verre genannt wurde. Im Sommer 1835 experimentierte Talbot mit verschiedenen Chemikalien, um Papierbeschichtungen zu entwickeln, die zur Verwendung in einer Kamera geeignet waren. Ihm wurde klar, dass er die Negative, die er dabei erhielt, beliebig oft wieder auf lichtempfindliches Papier kopieren könnte, um tonwertrichtige Bilder zu bekommen. Überall auf seinem Anwesen platzierte er Versuchskameras für lange Belichtungszeiten – grob gearbeitete Kistchen, nur 5-8 cm groß, die von seiner Frau Constance „Mausefallen“ genannt wurden. Das früheste erhaltene Papiernegativ stammt vom August 1835, eine kleine Aufnahme des Erkerfensters von Lacock Abbey:

Nur seine Familie wusste zu diesem Zeitpunkt von seinen Entdeckungen, für eine Veröffentlichung schien es ihm noch zu früh.

Im Januar 1839 traf aus Paris die Nachricht ein, Louis Jacques Mandé Daguerre sei es gelungen, die Bilder der camera obscura haltbar zu machen. Details waren noch nicht bekannt, aber Talbot musste jetzt um die Anerkennung seiner Erfindung fürchten. Eilig bemühte er sich darum, seine Methode öffentlich vorzustellen, obwohl sie noch nicht sehr leistungsfähig war. Seine Schrift „Some Account of the Art of Photogenic Drawing…“ („Ein Bericht über die Kunst der Photogenen Zeichnung oder der Prozess, durch welchen natürliche Gegenstände sich selbst abbilden, ohne Hilfe durch den Stift eines Künstlers”) wurde am 31. Januar 1839 vor der “Royal Society” verlesen, drei Wochen später erklärte Talbot selbst dort seine Arbeitsweise. Die Technik hatte nun auch einen neuen Namen: Photogene Zeichnung.

Sieben Monate danach wurde deutlich, dass Daguerre ein völlig anderes Verfahren benutzte. Die Frage der Priorität an der Erfindung der Fotografie schien dennoch entschieden. Daguerre konnte einzelne, sehr eindrucksvolle Resultate vorweisen und wurde durch die französische Regierung und die Öffentlichkeit seines Landes nachdrücklich unterstützt, man betrachtete die Weitergabe der Erfindung als Geschenk Frankreichs an die Welt. Talbot dagegen bekam keine offizielle Unterstützung, die „Royal Society“ lehnte es sogar ab, seine Arbeit über die Fotografie in ihren regelmäßigen Veröffentlichungen zu berücksichtigen.

Seine Freunde Brewster und Herschel veranlassten Talbot, trotz der frustrierenden Erfahrungen intensiv weiter zu arbeiten. Herschel machte eigene Experimente und entdeckte eine Möglichkeit, die verwendeten Silbersalze nach dem Entwickeln an weiterer Reaktion zu hindern – er nannte den Vorgang „Fixieren“, sowohl Talbot als auch Daguerre wendeten ihn an. Herschel prägte auch die Begriffe „Photographie“, „Positiv“ und „Negativ“ für Talbots Arbeiten. Der Sommer 1840 war für englische Verhältnisse ungewöhnlich lang und sonnig, so machte Talbot wesentliche Fortschritte. Bisher benötigte er für ein brauchbares Papiernegativ Belichtungszeiten von etwa einer Stunde. Nun fand er heraus, dass auch eine kurze Belichtung in der Größenordnung von 1-3 Minuten in seinen Papieren eine ausreichende, wenn auch zunächst unsichtbare Veränderung verursachte. Mit Hilfe eines chemischen Entwicklers konnte er daraus ein vollwertiges Negativ machen. Die Aufnahme erfolgte auf Jodsilberpapier, wurde in Gallussäure und Silbernitrat entwickelt, in Natriumthiosulfat fixiert, durch Baden in Wachs transparent gemacht und schließlich wiederum auf Jodsilberpapier zum Positiv umkopiert. Dieses verbesserte Verfahren nannte Talbot „Calotype Photogenic Drawing“, es wurde bekannt als Kalotypie (kalos = altgriechisch „schön“) oder Talbotypie:

Am 8. Februar 1841 ließ Talbot sein Verfahren patentieren – eine unglückliche Entscheidung. Damit blockierte er teilweise selbst die Ausbreitung und Weiterentwicklung seiner Erfindung und sah sich wiederholten Anfeindungen ausgesetzt. Allerdings verzichtete er außerhalb Englands auf die Durchsetzung seiner Patentansprüche. Da sich auch Daguerre für sein Verfahren in England die Patentrechte sicherte, mussten englische Fotografen Lizenzen für das ein oder andere Verfahren erwerben. Deshalb kann keine Rede davon sein, dass Talbot durch die Patentierung seines Verfahrens die Verbreitung der Daguerreotypie erleichterte. Die galt zu jener Zeit ohnehin noch als die attraktivere Methode. Sie lieferte mit ihren Abbildungen auf präparierten Kupferplatten zwar nur relativ schwere und empfindliche Unikate, diese aber ohne Umweg und als scharfe, detailreiche Positive. Kalotypien dagegen waren zwar leicht und robust, wiesen aber durch die Struktur der verwendeten Papiere eine leicht körnige Unschärfe auf und waren nur nach dem Zwischenschritt über einen Negativprozess zu erhalten; dennoch erwies sich dieser Ansatz – nach Verbesserungen während der folgenden Jahrzehnte und nachdem die hemmenden Verbote gefallen waren – letztlich als die überlegene Technik.

Quelle: wikipedia