Guillaume-Benjamin Duchenne

Die französiche Arzt und Physiologe Guillaume-Benjamin Amand Duchenne, genannt Duchenne de Boulogne (* 17. September 1806 in Boulogne-sur-Mer; † 15. September 1875 in Paris) war vielleicht nicht der erste, der sich die Fotografie für seine medizinischen Forschungen zunutze machte, aber im Gegensatz zu seinen Kollegen hatte er ein konzeptionelles Verständnis für das neue Medium und versuchte, eine wenn auch bizarre Brücke zu den schönen Künsten zu schlagen. Seine Arbeiten kulminierten 1862 im sogenannten Mécanisme de la physionomie humaine, bei dem er die Gesichtsmuskeln von sieben Versuchspersonen mittels Wechselstrom zur Kontraktion brachte und die derart erzeugten Minen fotografierte. Man könnte fast sagen, dass an die Stelle der Seele als Grund für die verschiedenen Ausdrucksformen des Gesichtes das technische Unbewusste der beiden neuen Medien trat: Wechselstrom und Fotografie. Über diese „elektrophysiologische Analyse von Gefühlsausdruck“ in der menschlichen Physiognomie schrieb Duchenne de Boulogne 1862 in Paris eine grundlegende Arbeit. Sein „Muskel der Freude“, der für das Lächeln zuständig war, wurde später zum Musculus zygomaticus major (Großer Jochbeinmuskel) und das echte menschliche Lächeln nach ihm Duchenne-Lächeln benannt. Als Kennzeichen hierfür wird eine Beteiligung der Augen angesehen, d. h. es werden nicht nur die Mundwinkel mittels der mimischen Muskulatur nach oben gezogen, sondern auch in den äußeren Winkeln der Augen zeigen sich die typischen kleinen Lachfältchen.

Auch wenn diese Bilder eine bizarre Verbindung von Kunst und Wissenschaft darstellen, gelten sie heute als einer der originellsten Beiträge, die es auf diesem Gebiet gibt.

Quelle: wikipedia und Hans-Christian von Herrmann und Bernhard Siegert, „Beseelte Statuen – zuckende Leichen, Medien der Verlebendigung vor und nach Guillaume-Benjamin Duchenne“

Advertisements