Gräser der Nacht

Konnte es wirklich sein, dass ein Doppelgänger, den ich hier zurückgelassen hatte, immer weiter jede meiner alten Bewegungen wiederholte, meine alten Wege ging bis in alle Ewigkeit? Nein, hier war nichts mehr von uns übrig, die Zeit hatte Tabula rasa gemacht. Das Viertel war neu, saniert, so als hätte man es an der Stelle eines baufälligen Wohnblocks errichtet. Und selbst wenn die meisten Häuser dieselben waren, so hatte man doch den Eindruck, vor einem ausgestopften Hund zu stehen, einem Hund, der dir früher einmal gehörte und den du geliebt hast, als er noch lebte.

Patrick Modiano, „Gräser der Nacht“

Dieb der Stadt

Ich dachte an die zehntausend berühmten Fotografien, die Atget von einem Paris machte, das nun verschwunden ist, jene großen, stummen Bilder, überschwemmt vom Braun des Goldchlorid – an die dachte ich und an ihren Urheber, der jeden Tag vor der Morgendämmerung draußen gewesen war und nach und nach die Stadt an sich brachte, sie denen stahl, die in ihr lebten – hier einen Baum, da eine Ladenfront, einen unsterblichen Brunnen.

James Salter, „Ein Spiel und ein Zeitvertreib“

Eugène Atget, "Notre-Dame-de-Paris" (1922)
Eugène Atget, „Notre-Dame-de-Paris“ (1922)
Eugène Atget, "Boulevard de Strasbourg" (1912)
Eugène Atget, „Boulevard de Strasbourg“ (1912)
Eugène Atget, "Parc de Sceaux" (Juin 1925)
Eugène Atget, „Parc de Sceaux“ (Juin 1925)