Bis zum tiefsten Grund hinab / Die erstaunten Augen gleiten. Ihre stummen Heimlichkeiten / Lauschest du den Fischen ab.

KAWA=FLOW

is about the world where we are and the world where we go in the future. Although we seem to be connected continually there is a rupture between us in the present and those that went before us or that come next. I tried to perceive this rupture as a KAWA (FLOW, river) that divides a plain and expressed the resulting reflexions in this works.

Yamamoto Masao

Die Überschrift entstammt einem Gedicht von Paul Heyse, zur Gänze bei Mannigfaltiges zu lesen.

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Brassaï

1926 hatte Kertész Gyula Halász, genannt Brassaï (*1), aus Kronstadt (Siebenbürgen) kennen gelernt, der in Budapest und Berlin Kunst studiert hatte und nun das Schicksal des Fremden in Paris teilte. Kertész motivierte ihn zu einer intensiven Auseinandersetzung mit der Fotografie, die in einem elegischen Bildband über das desolate nächtliche Paris (1933) ihren Niederschlag fand.

„Während ich schreibe, bricht die Dunkelheit herein und die Leute gehen zum Abendessen. Ein grauer Tag ist zu Ende, wie man ihn in Paris oft erlebt“, beginnt Henry Miller seinen Roman Stille Tage in Clichy. „Als ich um den Häuserblock ging, um meine Gedanken an die frische Luft zu führen, wurde mir unwillkürlich wieder der enorme Gegensatz zwischen den beiden Städten – New York und Paris – bewusst. Es ist die gleiche Stunde, der gleiche trübe Tag, und doch hat das Wort grau, das die Assoziation hervorrief, nur wenig gemeinsam mit jenem gris, das für die Ohren eines Franzosen eine ganze Welt von Gedanken und Gefühlen einschließt.“ In dieser verbrauchten, verwahrlosten und verderblichen Welt der Grautöne, auf dem Montmartre, lernte der Amerikaner 1932 den Fotografen Brassaï kennen, dessen Aufnahmen Millers literarische Sicht in Fotografie umzusetzen scheinen und mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verbinden sollte. Beiden war die Not vertraut, die Zensur und Ablehnung, das Gefühl des ewigen Exilanten, und Brassaï hat dieser Gemeinsamkeit in einer Biografie Millers (*2) Rechnung getragen. Mit zweiundsechzig Jahren kehrte Miller noch einmal zurück, um das Paris seines Romans und die emotionalen, äußerst persönlichen Bilder Brassaïs wiederzufinden. „Ich habe mir einen Panzer umgelegt, um mich vor den tiefsten Enttäuschungen zu schützen. Wie soll man ein Bild vor der Zerstörung retten, von dem man in seinem Herzen weiß, daß es in der Wirklichkeit niemals existierte.“ (*3)

Boris von Brauchitsch, „Kleine Geschichte der Fotografie“

Anmerkungen:

*1 Brassaï („der aus Brassó Stammende“) (bürgerlich Gyula Halász; * 9. September 1899 in Kronstadt/Brassó, heute rum. Brașov, damals Österreich-Ungarn, heute Rumänien; † 7. Juli 1984 in Nizza)

*2 Brassaï, Henry Miller in Paris, Frankfurt a. M. 1979.

*3 Henry Miller, zit. nach Brassaï (siehe oben)