Farbfotografie

Frühe Experimente und Farbsensibilisierungen

Die Farbfotografie basiert auf Experimenten aus der Frühzeit der Fotografie. Der amerikanische Baptistenprediger und Daguerrotypist Levi Hill beanspruchte um 1850/1851 als erster die Erfindung der Farbfotografie für sich. Zum Beweis präsentierte er seine sogenannten Hillotypien:

Allerdings waren diese nur von mäßiger Qualität. Hill weigerte sich zudem vehement, die Funktionsweise seines Verfahrens offenzulegen, so dass sein Anspruch bereits von seinen Zeitgenossen mit Skepsis betrachtet wurde.

1860 arbeitete Niépce de Saint-Victor an einem Verfahren, alle Farben auf einer einzigen lichtempfindlichen Schicht aufzuzeichnen (Heliochromie).

Am 17. Mai 1861 dann führte der schottische Physiker James Clerk Maxwell in einem Vortrag an der Royal Institution die additive Farbmischung vor. Diese basierte auf drei (schwarz-weiß) Diapositiven, die durch drei Farbfilter (Rot, Grün und Blau) fotografiert worden waren und durch entsprechende Filter deckungsgleich projiziert wurden. Zu sehen war darauf ein Tartan-Band:

Entsprechende farbfotografische Verfahren wurden parallel von Louis Ducos du Hauron und Charles Cros seit etwa 1862 entwickelt und 1868 gleichzeitig präsentiert. Allerdings konnte nur du Hauron ein patentiertes und praktikables Verfahren vorführen. Du Haurons Verfahren basierte auf Silberbromid-Kollodiumplatten und ergab Pigment-Diapositive. Beide Verfahren basierten jedoch auf dem Prinzip der Dreifarbigkeit (Trichromie):

Die orthochromatische Sensibilisierung (= isochromatische Sensibilisierung) des Negativmaterials gelang erstmals Hermann Wilhelm Vogel 1873; hierbei wurde das Aufnahmematerial neben Blau auch für die Grün- und Gelbanteile des Lichts sensibilisiert.

Vogel benutzte als optische Sensibilisatoren, d. h. als Stoffe, welche das Silberbromid gelb-, respektive rotempfindlich machten, im Licht leicht verschiedene organische Farbstoffe wie Fuchsin, Cyanine, Eosin etc.; dadurch gelang es ihm, die Silberhalogenide auch für langwelligeres grünes und rotes Licht zu sensibilisieren.

Zuerst versuchte Ducos de Hauron dieses Prinzip praktisch anzuwenden. Die nachteilige Wirkung der Sensibilisatoren auf die fotografischen Chemikalien stellte aber der Praxis Hindernisse in den Weg, die hauptsächlich durch Einführung der Gelatinetrockenplatten durch Richard Leach Maddox um 1871 beseitigt wurden.

Pierre Alphonse Attout (Attout Tailfer) brachte 1882/83 mit Eosin gefärbte isochromatische Gelatineplatten in den Handel; 1884 entdeckte Vogel dann die optisch sensibilisierende Kraft des Jacobsenschen Chinolinrots und präparierte mit diesem unter Zusatz von Chinolinblau die farbenempfindlichen Azalinplatten.

Alle diese isochromen Platten bedurften aber zur Abschwächung des zu stark wirkenden blauen Lichts noch der Einschaltung einer Gelbscheibe bei der Aufnahme. Diese Mängel überwand Hermann Wilhelm Vogel durch Einführung des Eosinsilbers als optischen Sensibilisator. Durch seine und Obernetters Bemühungen entstanden die Eosinsilberplatten, welche sich von den herkömmlichen farbenempfindlichen Trockenplatten durch bedeutend größere Empfindlichkeit auszeichneten und in der Otto Perutz Trockenplattenfabrik zur Produktreife geführt wurden. Nur für Aufnahmen von Gemälden bedurften dieselben noch zuweilen (bei leuchtend blauen Tönen) einer Gelbscheibe, bei Landschaften, Porträts etc. nicht.

Eine andere Interferenzmethode entwickelte Gabriel Lippmann, die er 1891 unter der Bezeichnung „Methode der Photographie in Farbe mittels Interferenzmethode“ veröffentlichte. Für diese Entdeckung erhielt Lippman 1908 den Nobelpreis.

Die Brüder Auguste und Louis Lumière stellten 1904 das Autochromverfahren vor, welches mit orangerot, grün und violett eingefärbten Kartoffelstärkekörnchen als rasterartigem Farbfilter und einer Silberbromid-Gelatine-Emulsion funktionierte.

Obgleich dieses Verfahren bei auf großen Formaten aufgenommenen Standbildern mit seinen weichen Farben und lichtechten Pigmenten erstaunliche Resultate erbrachte, war es für den Kinofilm ungeeignet, da das grobe Raster ein sehr störendes Rauschen erzeugte.

Vogels orthochromatische Sensibilisierung wurde 1902 von Adolf Miethe und A. Traube weiter verbessert; mit der sogenannten panchromatischen Sensibilisierung wurde erstmals eine vollständige Tonwertrichtigkeit bei der Umsetzung von Farben in Graustufen erzielt. Die panchromatische Sensibilisierung bildet heute die Grundlage für jede Farbfotografie.

Sonstige Verfahren

Als Kompromisslösung zwischen schwarzweißer und vollfarbiger Fotografie gab es insbesondere beim Kinofilm auch dichromatische Verfahren, das heißt solche mit zwei Grundfarben.

Das Vollfarben-Verfahren nach Robert Berthon für Amateurfilmer benutzte einen Schwarzweißfilm mit eingraviertem Linsenraster. Aufgenommen und abgespielt wurde der Film mit einem Objektiv, hinter dem ein dreiteiliger Farbfilter angebracht war (Blau, Grün, Rot). Nachteilig dabei war vor allem die verringerte Auflösung.

Beim Kornrasterverfahren wurden verschieden sensibilisierte Körner auf einer Platte aufgebracht. Das „relativ“ einfache Verfahren erlaubte Bilder bei relativ kurzer Belichtungszeit, die vergleichsweise grobe, körnige Auflösung war für weich wirkende, farbechte Großformatfotografien gut geeignet.

Bei den Prismenverfahren wurden drei Bilder gleichzeitig hinter einem farbteilenden Prisma belichtet. Das Verfahren mit schwerer und aufwändiger Kameratechnik wurde für amerikanische Zeitschriftentitelseiten benutzt, auch sind frühe bewegte Filmaufnahmen aus dem Europa vor dem ersten Weltkrieg erhalten.

Beim einfachen Filterverfahren wurden drei Platten nacheinander vom selben Motiv belichtet. Drei verschiedene Farbfilter ermöglichten nach entsprechender Entwicklung die manuelle Montage der drei Gelatine-Schichten des Farbfotos. Die aufwändige Methode kam aufgrund des Zeitaufwands für Stillleben und Landschaftsaufnahmen bei fest montierter Kamera in Frage.

Der erste Dreischichtenfilm wurde 1936 von Agfa und später von Kodak auf den Markt gebracht. Nach diesem technisch ähnlichen Verfahren funktionieren Farbfilme prinzipiell bis heute (siehe Farbfilm). Während beim Verfahren nach Kodak früher die eigentliche Färbung aufwändig während der Entwicklung erfolgte, beinhaltete das einfachere Agfa-Verfahren diese bereits im Film. Das nach dem Weltkrieg vereinheitlichte und bis heute übliche Verfahren beinhaltet als Optimierung Bestandteile beider Verfahren, vereinfacht formuliert, die Methode nach Agfa, die Chemie nach Kodak.

Quelle: wikipedia