1913

Es gibt den stets melancholisch wirkenden Walter, die Nickelbrille des Frühreifen auf der Nase, der früh zu malen begann, dann Edeltrude, introvertiert, die aussieht, als leide sie sehr an der Welt im Allgemeinen und ihrem Vornamen im Besonderen, schließlich Lotte, die lebendigste, strahlendste, und dann Hans, den jüngsten, geduldigen Bub. Heinrich Kühn ist ein liebevoller Vater, aber ein radikaler Künstler. Wenn am Ende ein Kind zuviel auf dem Bild ist, wenn eines den Bildaufbau stört, dann retuschiert er es rigoros weg, auch wenn er Stunden gebraucht hat, um alle Kinder in Position zu bringen. Was Kühn in seinen Bildern zeigen will, ist nichts weniger als das Paradies. Spielende Kinder, ruhende Kinder, Frauen in wallenden Kleidern, die unschuldige Natur. „Der Sündenfall“, so schreibt er in einem Brief, „hat zweierlei Gestalt: Die Sozialdemokratie. Und den Kubismus.“

Florian Illies, „1913“

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