Playground Love

Früher.

Als wir den lieben Gott noch ungeniert um schönes Wetter baten, wenn es regnete. Mit gefalteten Händen und flehenden Blicken gen Himmel. Und der Herr ließ sein Angesicht leuchten über uns und war uns gnädig. Das Gurren der Wildtauben betörte uns wie ein vieldeutiges Versprechen aus den Tiefen des Märchengartens, der sich zu unseren Füßen erstreckte und weit über unsere Köpfe hinausragte. In unseren rosa und türkisfarbenen Schlafgewändern wandelten wir darin wie Prinzessinnen aus Tausend und einer Nacht. Nur manchmal verfing sich die eine oder andere Nylonspitze in den Ranken der mannshohen Himbeersträucher, und die Lust am Abenteuer strandete in den hohen Gassen eines gefühlten Labyrinths. Der Rote Faden war immer das Gurren der Wildtauben. Wie eine Zauberformel beschwört es noch heute den Sommer herauf. Den Sommer und wir mittendrin.

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6 Gedanken zu “Playground Love

  1. Danke dir für das Musivideo und diesen wunderbaren Text, bei dem ich staune, dass es bei dir die Wildtauben waren/sind, was bei mir die Schwalben sind, die mich heute oftmals melancholisch stimmen.
    Ich grüsse dich herzlich
    Ulli

    1. Liebe Ulli, eine meiner frühesten Kindheitserinnerungen aus den unzähligen Sommern, die wir in Rumänien verbracht haben. Es war heiß, staubig und darüber hinaus wunderschön. Geregnet hat es, wenn überhaupt, allerhöchstens mal einen Tag. Der Ruf der Wildtauben verschafft mir immer dieses Playground-Love-Gefühl, zu dem übrigens auch Labyrinthe gehören, in denen ich mich meist hoffnungslos verirrt habe..;-) (Im Original kannst Du das Stück hier hören, wenn Du magst: https://ostblog.wordpress.com/2016/06/11/rausschmeisser/)

  2. Schönes Cover, wenn ich das Stück auch unwiederbringlich mit dem Coppola Film verbinde. Im Video sieht man meine ich einen Ford Consul, das Geschwisterauto zum Granada, der in meiner Eltern Garage stand. Es dürften die 70er gewesen sein. Es erinnert mich an heiße Sommer, die ich suchend (nach was auch immer) im Freien verbrachte. Ich durfte noch nicht alleine ins Freibad. Zusammen mit meinem Fahrrad, die Kumpel waren im Urlaub, als sie kamen gingen wir, als wir uns wiedersahen war der Sommer vorbei.
    Eine staubtrockene Erinnerung, wie der vom Auto aufgewühlte Dreck.

    1. Den Film habe ich nicht gesehen, dafür das Buch gelesen. Das Stück hat etwas Feinstoffliches, dem es gelingt, aus dem Vakuum, in dem die Geschichte sich zuträgt, zu entweichen. Es kann nur melancholische Gedanken wecken… in unserer Garage stand übrigens auch ein Granada..;-)

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