I confess

Unter Birgits Sätzen & Schätzen findet sich die Kategorie Verschämte Lektüren. Ich gebe zu, ich war damals in der Tat zu verschämt, mich zur Lektüre von Diana Gabaldons Highland-Saga zu bekennen. Jetzt fiel sie mir wieder ein, weil in Brenda Hills Gedicht „An effort to step into morning“ die Libellen erwähnt werden, dragonflies / frantic in their amber / coats. So lautet nämlich der Titel des ersten Bandes besagter Saga: Dragonfly in Amber.

Nun gibt es nicht nur verschämte Lektüren sondern auch unsäglich verschämte Lieder,  Stücke, die ich nur im stillen Kämmerlein höre, weil sie mir unsagbar peinlich sind.

Ich war nie ein Fan von Patrick Swayze, deshalb ist es vermutlich die Zeile „Just a fool to believe I have anything she needs“, die mich insgeheim zu Tränen rührt. Die Tage bin ich gleich zweimal hintereinander zu Dirty Dancing versumpft, und das nur weil ich den Film einmal mit meinem Erstgeborenen im Arm gesehen habe. Nach dem Stillen war er so tief und fest eingeschlafen, dass ich mich nicht mehr zu bewegen wagte. Wie es dazu kam, dass plötzlich der Fernseher lief und dieser unsäglich verschämte Film dazu, das weiß ich nicht mehr. Jedenfalls beschert er mir jedesmal einen sehr sentimentalen Flashback.

So. Jetzt ist es raus. Und wer seine verschämten Lieder mit mir teilen will, in welcher Form auch immer, ist herzlich willkommen. Ich freue mich.

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24 Gedanken zu “I confess

  1. Feine Idee : ) Ich gestehe, dass wir vor wenigen Monaten ganz absichtlich mal wieder Dirty Dancing angeschaut haben, ein Film, denn ich damals gleich dreimal im Kino sah. Und was soll ich sagen: Mir hat er immer noch gefallen ; )

          1. Ja, nicht wahr? Der Artikel war auch einer der Gründe, warum ich den Film unbedingt wieder anschauen wollte (und meinen Liebsten davon überzeugen konnte, mitzukucken, hihi). Wirklich enorm interessant!

  2. Ich war nie die große Cineastin, daher könnte ich jetzt nicht sagen, dass mich ein Film oder sein Soundtrack mal so berührt hätte (obwohl Control hat an der Grenze war, als Atmosphere im Abspann gespielt wurde musste ich raus, weil ich sonst geheult hätte. Die blendeten halt das Lied über ein rauchendes Crematorium ein, das packte ich nicht.), wo ich zeitweise Probleme hatte zuzugeben, dass ich das zum Teil auch gar nicht so schlecht finde ist des Mit-Künstlers Faible für Billy Joel. Ich mag so Sachen wie For The Longest Time oder Uptown Girl (Schere im Kopf *Das kannst du nicht erzählen!*).

    [Der Handschuhschenker wäre möglicherweise sehr beunruhigt wenn er wüsste, dass ich Summer In Berlin nicht schlecht finde. Ich finde das nicht direkt peinlich und wegen ihm schon gar nicht, aber es ist eben Alphaville und damit behaftet Herr Gold mit seinem x Jahre jünger Schminken – solche Menschen habe ich gefressen wie Seife.]

    1. Soll ich Dir was verraten: Ich habe Billy Joel geliebt. Leider hat seine Stimme mit den Jahren viel von ihrer einstigen Kraft eingebüßt, aber „Vienna“ ist noch immer eines meiner absoluten Lieblingslieder…

      1. „Vienna“ könnte ich jetzt nicht zuordnen, müsste ich den Mit-Künstler fragen (der seine Playlist immer versteckt, damit das keiner merkt, so ganz offiziell mit Weiß jeder mag er nämlich nur The Downeaster Alexa). Stimmveränderungen könnte ich mangels intensiver Beschäftigung nicht beurteilen (könnte ich aber zum Beispiel auch bei Bernard Sumner nicht und den spiele ich seit Jahren praktisch tot), aber ich kenne das ein oder andere von den Live-Sachen aus den letzten Jahren (youtube…), so bin ich zumindest schon mal der Meinung, dass er singen kann 😉 Es gibt Leute von denen meine ich das nicht.

        Noch so eine „Peinlichkeit“ meinerseits, die ersten Camouflage-Alben haben zwar katastrophales Englisch, aber ich mag sie nicht nur wegen der Album-Titel. Mein Lieblingsstück Music For Ballerinas kennt keiner, unbeachtetes Instrumental, wenn du sagst „Das ist auf demselben Album wie The Great Commandment“ bist du in meiner Generation schnell unten
        durch. Spice Crackers von 1995 ist richtig genial meiner Empfindung nach, aber danach kippt es entgültig. Jetzt hast du was richtig „peinliches“.

  3. Da habe ich mich gerade gewundert, warum die schamhaft vor sich hindämmernden verschämten Lektüren heute so viele Zugriffe erfahren … und finde das hier. Vielen Dank für diese Confessiones …und die dazugehörende Verlinkung. Dann will ich auch nicht hinterm Berg halten und beichten: Dirty Dancing habe ich nie gesehen, aber eine Menge sonst, was in diese Kategorie passt 🙂 Und da ist ganz weit vorne ein weiterer Swayze mit „Ghost“ – und dazu „Unchained Melody“: Das setzt bei mir das ganze Kitsch-Potential frei …

  4. Ich deswegen verschämt,
    weil ich ein hochromantisches
    Tanz-Märchen mag, an dessen Ende sich alle kriegen und lieben wie bei annondunnemal Brontë, Austen, Courts-Mahler & Co?
    Nö…
    Dazu groovt sowas doch das dirty Herz zu schön …

  5. Dirty Dancing habe ich nie gesehen – mancher Hit aus dem Film ist mir aber wohl bekannt. Gelegentlich fröne ich sehr gerne meinem Hang zu vergleichbaren Banalitäten & finde darin durchaus die ein oder andere Inspiration.

    Ich bin ein großer Fan von Shostakovichs Streichquartetten, aber bei dem ein oder anderen Hit von ABBA werde ich auch schwach.

    Wir sind doch alle ein bisschen paradox.

    Außerdem mag ich Kitsch, wenn er z. B. gut gemalt ist.

    1. Vielleicht ist die Positionierung zu Kunst und Kitsch für Dich als Künstler ja ein viel natürlicherer Prozess!? Jedenfalls haben mir Dein Be-kenntnis und die Er-kenntnis, dass ich mit meinen Paradoxien nicht hinter dem Berg halten muss, sehr, sehr gut getan. Vielen Dank, Armin!

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