No dar papaya

No dar papaya, is a common expression unique to Colombia which means show no vulnerabilities and present no easy target…

Andernorts trugen Mädchen Schuluniformen. Lange Zeit, eine sehr lange Zeit musste ich um eines dieser kurzen, dunkelblauen, plissierten Röckchen bitten und betteln. A vertically hanging piece of fabric such as a skirt or a drape will often be described in terms of its „fullness.“ An einem Sonntagvormittag im April saß ich schließlich neben meinem Vater im Auto. Zu einer Zeit, da es einer besonderen Belohnung gleichkam, als Kind auf dem Beifahrersitz Platz nehmen zu dürfen. Wir fuhren über eine Grenze, fremdes Territorium betreten. Fast wie etwas Verbotenes tun. Ganz tief in meinem Innersten fühlte ich: Ich bin frei.

Auch Klimaanlagen gab es noch keine. Durch die Frontscheibe prallte ungebremst die Sonne in meinen Schoß und ergoss sich wie ein warmer Wasserfall über meine nackten Oberschenkel unter dem heißgeliebten Röckchen. Selbst meine Mutter war einem ihrer Prinzipien untreu geworden an diesem Tag im April: Keine Kniestrümpfe in einem Monat mit „r“! Einer jener seltenen Momente, in denen ich Anteil hatte an der Fülle des Lebens, ja, für den Augenblick sogar die Anwesenheit des Vaters vergaß. Ich zog das dunkelblaue Tuch ein Stückchen weiter über die Beine und entblößte meine Knie.

Ohne Worte legte sich eine schwere Hand auf meine Beine und schob den gefältelten Stoff mit einem Ruck zurück. Ich hatte eine Grenze überschritten. Ich war nicht frei.

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8 Gedanken zu “No dar papaya

  1. Es ist sehr traurig, wenn die Kindheit nicht in vollen Zügen (aus)gelebt werden kann. Der letzte Textabschnitt geht unter die Haut und drückt so viel aus! Sehr bedrückend.

  2. Fülle des lebens, nein das ging nicht! Ich erinnere mich … seufze … ich habe damals meine Nischen gefunden 😉
    danke fürs erinnern und herzliche Grüsse

  3. Seltsam, seit ich selbst Kinder habe, seit ich weiß, wie viele Fehler auch ich mache, ohne es zu wollen, auf eine grausame Art zwangsläufig, weil es kein richtig und falsch gibt, weil jedes richtig ein Teil eines falsch ist und umgekehrt, seitdem habe ich ständig den Impuls, Eltern in Schutz zu nehmen, zu erklären, dass sie ihr Bestes getan haben. Kommentare wie die hier machen mich traurig und hilflos, fast als wenn ich jetzt schon vorwegnehmen wollte (und müsste), was in einigen Jahren vermutlich auf mich zukommen wird, oder was einfach nur gedacht und vielleicht auch geschrieben werden wird über mich…Wobei sich das alles wie gesagt eher auf die Kommentare bezieht, als auf die gewohnt wunderschön geschriebene Geschichte angestoßen und illustriert durch passende Bilder…

    1. Obwohl auch ich immer wieder sehr mit dem hadere, was meine Eltern falsch gemacht haben, stelle ich mir oft vor, wie schlimm es ein muss am Ende seines Lebens zu bilanzieren, nichts mehr ändern zu können und zu erfahren, dass das, was man vielleicht gut meinte oder was man jedenfalls ohne böse Absicht tat ein Menschenkind nachhaltig traurig gemacht oder ihm sogar geschadet hat.

      Trotzdem berührt mich die Geschichte des kleinen Mädchens, dass seine Beine in die Sonne halten möchte und zurechtt gewiesen wird

      1. Ja, mich berührt diese Geschichte auch sehr, und ich fühle sehr mit dem kleinen Mädchen, das auf einmal aus seiner grenzenlosen Freiheit fällt und mit diesen Grenzen konfrontiert wird, das auf einmal spürt, nein, ich bin nicht frei, Das ist unglaublich traurig. Ich kann es nur zunehmend schlecht aushalten, dass das was du schreibst, dieser nachhaltige Schaden, obwohl man etwas gut gemeint hat, dass das existiert, dass das einfach nicht wegzudenken ist aus dem Leben. Jede Generation will es vermutlich besser machen und macht dann doch wieder Fehler, nicht diesselben vermutlich, aber die eigenen, andere. Und es scheint unmöglich irgendetwas dagegen zu tun, außer sich gegenseitig zu verzeihen, irgendwann. Wenn das denn möglich ist.

        1. Und gerade in dem Verzeihen, das Du ansprichst, liegt die große Chance. Das Verbindende.
          Nach meiner Erfahrung machen die Eltern oftmals an den Enkeln das wieder gut, was sie an ihren Kindern nicht richtig machen konnten. Diese Wiedergutmachung ist dann für alle ein großer Segen.
          Ansosnten kann reden helfen, den Anderen in seinen Zwängen sehen und den liebenden Blick auf ihn (sie) legen.

          Und eines noch: ich möchte die Dinge, die ich erlitten habe nicht schön reden, aber ich bin doch an ihnen gewachsen und sie haben mich erst schwach und dann sehr stark gemacht.

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