Seraphima, die Schwerhörige

Du weißt: wenn es schneit
schauen sie alle dir zu –
die Toten und Kommenden,
wie du nicht nähst,
wie du fröstelnd nichts tust.
Durch den Schnee hindurch
sieht man dich, Phima.

Immer am Fenster,
auf einem Bauernstuhl,
wie von Spinnen geschnitzt,
thronst du, Atem der Spitzengardine,
während die Erdscheibe
im Weltteich dieselben
traurigen Fische umkreist,
während die Anderen lieben
und öffnen die Münder
voller schmelzender Worte
wie Marktbonbons.

Wie kann es dich rühren?
Es schneit und du weißt:
sie schauen dich an –
die Toten und Kommenden,
jede Flocke – ein Blick
im Boden versinkend.
„Ob es darunter auch schneit?“
sagst du und lachst
fast erschrocken
vor plötzlichem Glück.

Marjana Gaponenko

Quelle: Fixpoetry

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5 Gedanken zu “Seraphima, die Schwerhörige

  1. Eine beeindruckende Stimmung.
    Die Dichterin war mir bis vorhin unbekannt. Vielen Dank für die Vorstellung.
    Morgendlichwolkenlosblauhimmlische Grüsse aus dem sonnenklaren Lummerland

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