Enfin: Balthus

Ob man dieses Bild auch fotografisch hinbekommen könne, fragt sich Autopict.

Et voilà, der japanische Fotograf Hisaji Hara hat es versucht. Inwieweit dies und was genau ihm da gelungen ist… wie bei Balthus liegt die Wahrheit vermutlich nicht in der langweiligen Mitte von Kunst auf der einen und der Mystifikation erwachender Sexualität auf der anderen Seite sondern im Auge des jeweiligen Betrachters.

Als Ort für seine Aufnahmen wählte Hisaji Hara eine ehemalige Klinik aus den vierziger und fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Die gewünschte Atmosphäre besorgten Nebelmaschinen. Les chats sont perdus. Sagt man das so?

Hisaji Hara, "The Room" (2009, aus der Serie "A photographic portrayal of the paintings of Balthus")
Hisaji Hara, „The Room“ (2009, aus der Serie „A photographic portrayal of the paintings of Balthus“)
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4 Gedanken zu “Enfin: Balthus

  1. Ich brech nieder. Super.
    Insbesondere hielt ich die Frau auf dem Gemälde eher für ein unentspanntes Opfer. Die streng schauende Vorhang öffnende Frau für die Helferin des Bösen, die Katze die Beobachterin.
    Auf der Fotografie ist mir aber der linke stehende Fuß aufgefallen, der da so nur bewusst stehen kann, und nach Vergleich mit dem anderen ist es da ja auch so. Von daher.
    Allerdings ist die Dame auf Leinwand mit ohne Kleidung (fast) und öffnet sich sozusagen dem Licht, die eine oder andere Geschichte könnte man sich dazu denken. Die Dame auf dem Foto hingegen, in Kleidung und das Licht eher indirekt wirkt auf mich eher erschöpft entspannt, sprich: harter Tag, endlich zu Hause, also durchweg positiver.
    Zudem ist es da eher ein zurückhaltender Beobachter, der die Frau in Ruhe lässt, das Gemälde ist ohne Abstand, wirkt sehr aufdringlich. Eine nackte Frau mit Strümpfen, das wirkt auf mich grob und rauh, die fallenden Falten der Kleider locker.
    Wirklich bemerkenswert.

    1. Formal gesehen ist das eine faszinierende Aufnahme. Nur was den Inhalt angeht, ist sie eben meilenweit von Balthus entfernt. Sämtliche Ecken und Kanten, alle Reibungsflächen in dessen Bild sind hier fein säuberlich glatt geschmirgelt. Genau das stört mich daran. Gerade im Vergleich zu Balthus. Ein Vergleich, den Hisaji Hara ja offensichtlich nicht scheut. Was der Fotograf wohl dazu sagen würde?

  2. Ja, die Wahrheit liegt wohl im Auge des Betrachters. Nichts von dem, was mich an Balthus Bild fasziniert, was es für mich ausmacht, finde ich in dieser Fotografie wieder. Hara hat also offensichtlich etwas vollkommen anderes gesehen und wahrgenommen als ich.

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