La Chambre

My dear friend B[althus],

many years ago I knew an English writer in Cairo, a Mr. Blackwood, who in one of his novels advances a rather attractive hypothesis: he claims that at midnight there always appears a tiny slit between the day ending and the day beginning, and that a very agile person who managed to insert himself into that slit would escape from time and find himself in a realm independet of all the changes we must endure; in such a place are gathered all the things we have lost (Mitsou, for instance)… children’s broken dolls, etc. etc….

That’s the place, my dear B[althus], into which you must insert yourself on the night of February 28, in order to take possession of your birthday, which is hidden there, coming to light only every four years…

Balthus, "La Chambre" (1952-54)
Balthus, „La Chambre“ (1952-54)

Mr. Blackwood, if I am not mistaken, calls this secret and nocturnal slit the „Crac“: now I advise you, if you want to please your dear mother and Pierre, not to vanish into the Crac, but only to look around there when you are asleep… When you wake up on March 1, you’ll be filled with these admirable and mysterious memories, and instead of your own celebration, you will generously provide one for everyone else, by sharing your moving impressions…

Rainer Maria Rilke 1921 in einem Brief an Balthus

aus: „Balthus: A Biography“ von Nicholas Fox Weber

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9 Gedanken zu “La Chambre

  1. Also, die Bilder von Balthus sind arg grenzwertig finde ich, verstörend in ihrer Verführungskraft, gehen sie über das einfache Brüstchen – Möschenschema eines alten Lüstlings hinaus…aber wohin? Merkwürdigdes öfteren diese Kombination mit unwiderstehlichen Katzen!

    1. Ich bin froh über Deinen Kommentar, liebe Graugans. Wohin, das ist die Frage. Seine Frau Setsuko sagte speziell über dieses Bild, es sei ähnlich geheimnisvoll wie „La Tempesta“ von Giorgione. Man schaut es an und schaut es an und fragt sich irgendwann, was man da eigentlich sieht. Von Christina Tillmann (Tagesspiegel) stammt das Zitat: „Balthus’ Bilder sind hinreißende Kinderporträts. Einerseits. Aber eben auch Dokumente schwärzester Erwachsenenpsychologie.“ Es beschreibt für mich ziemlich gut den schmalen Grat, auf dem sich seine Kunst bewegt. Selbst hat er sich übrigens den König der Katzen genannt. Statement Jean Clair, Kurator Balthus-Retrospektive: „Dass er sich Graf Klossowski de Rola nannte, gehört zum Rollenspiel, das er sein Leben lang betrieben hat. Zuerst war er der König der Katzen, danach der Graf von Rola – und darin Casanova ähnlich, der sich Chevalier de Saintgalt nennen liess. Darin liegt etwas ausgesprochen Theatralisches, der «Opera buffa» Zugehöriges, irgendwo zwischen Tragödie und Komödie. Es ist ein Kinderscherz. Und welches Kind hat sich nicht vorgestellt, der weisse Ritter zu sein oder, heutzutage, ein galaktischer Prinz. Kinder amüsiert das.“
      Die Katzen sind vielleicht die eigentlichen Geheimnisträger in seinen Bildern. Sie wissen womöglich mehr als der Maler selbst, mit großer Wahrscheinlichkeit aber mehr als der Betrachter. Im Übrigen fand ich diesen Brief Rilkes, der ein früher Förderer von Balthus war, sehr erhellend, verweist er doch auf eine Art Zwischenreich, aus dem seine Bilder zu kommen scheinen.

      1. Am Ende seines Lebens hat er wohl tausende Polaroids gemacht von kleinen nackten Mädchen und niemand hat sich dabei was gedacht, wahrscheinlich war er ein lieber Onkel…was soll man davon halten? War er nicht einfach doch auch nur ein altes Ferkel?
        Den Vergleich mit „La Tempesta“ kann ich nicht so ganz nachvollziehen, weiß auch nicht, was daran so geheimnisvoll sein sollte, obwohl, der Blick von dieser stillenden Frau ist schon merkwürdig, da frage ich mich, warum sie mich denn so anschaut, das geht mir durch und durch.

        1. Ob Polaroids oder anders geartete Entwürfe… dass es solche gegeben hat, sollte keine Überraschung sein. Nur dass die Fotos quasi Beweisstücke sind, wie auch immer geartete Skizzen dagegen immer noch im Kopf entstanden sein könnten. Schwierig, da gebe ich Dir vollkommen recht. Und ich sehe auch, dass es ein leichtes ist, über alles den Mantel des Geheimnisvollen zu breiten und die Hände darunter in Unschuld zu baden. So könnte es sein oder eben doch irgendwie anders.

  2. Ich kenne diese Bilder bislang nicht, aber erstaunlicher Weise sehe ich auf meinem Handy ein zweites Bild, welches ich am PC nicht sehe. Das hier zeigt einen Kontrast zwischen den harten Kanten der den Vorhang aufziehenden Frau zu der Liegenden, die hier wie ein Opfer liegt. Das zweite Bild zeigt eine Frau in ähnlicher Pose, die Katze aber dahinter, die Situation wirkt freundlicher.
    Was ich mich frage, bekommt dieses düsterere Bild auch fotografisch hin? Oder sind da vielleicht doch engere Grenzen gesetzt.
    Und was stimmt bei mir an welchem Gerät nicht?
    🙂

    1. Sehr mysteriös. Ich sehe auf dem Handy dasselbe Bild wie am PC und so sollte es auch sein. Zur vorhergehenden Frage: Es kommt noch ein Bild von einem, der das fotografisch versucht hat. Vielleicht magst Du Dich ja dann dazu äußern. Würde mich freuen!

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