Durch Raum und Zeit

Das Bildnis vom schreibenden Erasmus hatte Helene Schjerfbeck im Louvre gesehen. Was sie wohl bewogen haben mag, es an die Wand der Stube mit den lesenden Mädchen zu hängen und damit auch den fortwährenden großen Dialog in der Malerei fortzuführen. Und welcher Lektüre die beiden sich dort in Gegenwart der Alten Meister so überaus aufmerksam widmen, bleibt ein Geheimnis für sich. Wie ein Sattel nicht zum Ochsen, so passt die Bildung nicht zur Frau, diesen Satz legte der Humanist von Rotterdam in „Der Abt Antonius besucht Magdalia“ dem Abt in den Mund. Und lächelte dabei vielleicht so erasmisch wie auf Holbeins Portrait. Ein X für ein U lassen sich Schjerfbecks Lesende jedenfalls, wie es aussieht, nicht vormachen.

Advertisements

8 Gedanken zu “Durch Raum und Zeit

  1. Na da bin ich aber froh, dass sich das mit der Bildung der Frau etwas verändert hat, sonst hätte ich diesen informativen Beitrag heute nicht lesen können, und überhaupt, das Louvre ist so riesig, an diese Bilder kann ich mich auch nicht mehr erinnern. Man sollte sich vielleicht vorher mit den Dingen beschäftigen, aber andererseits, warum nicht ein wenig durch Raum und Zeit driften und die Eindrücke wirken lassen.

    1. Erasmus von Rotterdam erscheint auf den ersten Blick auch wenig spektakulär und ist nur 43 x 33 cm groß, also noch kleiner als die Mona Lisa. Helene Schjerfbeck ist derzeit in der Frankfurter Schirn zu sehen… eine gute Gelegenheit, also, ein wenig durch Raum und Zeit zu driften, Autopict..;-)

      1. Ich glaube, ein Thema kann noch so gut aufbereitet sein, der, der es wahrnehmen soll, muss es auch für sich als wichtig empfinden. Nur dann spielen Zeit und Raum keine Rolle mehr. Und das Geschlecht sowieso nicht.

  2. Ob die Menschen früher, fiel mir beim Betrachten der beiden Bilder ein, tatsächlich so viel ruhiger gewesen sind als heute? Oder war das auch damals schon eine Fiktion, mehr Wunsch als Realität?

    1. Kommt darauf an, was für Unruhe sorgt im Leben, denke ich. Fernsehen und Internet gab es damals definitiv noch nicht. Innere Unruhe haben die Menschen sicher zu allen Zeiten verspürt. Vielleicht hat sie sich mehr in Bildungshunger geäußert als heutzutage, weil der Blick in die weite Welt so selbstverständlich geworden ist. Und doch stellt sich immer wieder die Frage, was wir eigentlich wirklich wissen…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s