Der Horizont

Er stellte ein merkwürdiges Phänomen fest. Dieser Traum erhellte durch sein Licht alles, was Wirklichkeit gewesen war, die Straßen, die Menschen, mit denen Margaret und er gemeinsam in Berührung gekommen waren. Und wenn dieses Licht nun das wahre Licht gewesen war, jenes Licht, das sie beide damals umstrahlte? Warum hatte er dann in jener Zeit die zwei Hefte vollgeschrieben mit einer kleinen Schrift, die ein Gefühl von Beklemmung und Ersticken verriet?

Sarah Moon, "Suzanne aux Tuileries" (1974)
Sarah Moon, „Suzanne aux Tuileries“ (1974)

Er glaubte, die Antwort zu finden. Alles, was man tagein, tagaus erlebt, ist gekennzeichnet von den Ungewissheiten der Gegenwart… Doch aus der Ferne betrachtet, mit dem Abstand der Jahre, sind die Ungewissheiten und Ängste, die man in einem bestimmten Augenblick durchgestanden hat, verflogen wie das Rauschen, das einen hinderte, im Radio kristallklare Musik zu hören. Ja, wenn ich jetzt daran zurückdenke, dann war es genau wie im Traum: Margaret und ich, die einander gegenübersitzen in einem reinen und zeitlosen Licht.

Patrick Modiano, „Der Horizont“

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6 Gedanken zu “Der Horizont

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