Der Horizont

Fred van Schagen
Fred Van Schagen, Paris 1954

Diese Menschenmenge im Metroeingang, die überfüllten Züge, jeden Tag, um die gleiche Zeit … Bosmans hatte irgendwo gelesen, die erste Begegnung zweier Menschen sei wie eine leichte Verletzung, die jeder spürt und die ihn aus seiner Einsamkeit und seiner Benommenheit reißt. Später, wenn er an seine erste Begegnung mit Margaret Le Coz dachte, sagte er sich, dass sie gar nicht anders hätte verlaufen können: da, in diesem Metroeingang, aufeinandergeschleudert. Und wenn man bedenkt, dass sie an einem anderen Abend, am selben Ort, dieselbe Treppe in derselben Menge hinuntergegangen und in denselben Wagen gestiegen wären, ohne sich zu sehen … Aber war das so sicher?

Patrick Modiano, „Der Horizont“

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3 Gedanken zu “Der Horizont

  1. Schon wieder so ein Zeichen für die Wellen, die durch das Netz gehen, ich habe heute gerade Notizen zu Barthes heller Kammer gemacht (ein Buch, das ich mir ohne dich gar nicht zugetraut hätte) und da ausgerechnet zu der Stelle wo er vom „punctum“ der Fotografie spricht, also von dieser leichten Verletzung, die hier in Modianos Text erneut auftaucht.

    1. Wunderbar. Ich habe die Stelle bei Barthes erst kürzlich wieder gelesen, aber keinen Zusammenhang hergestellt zu diesem Zitat von Modiano. Den sehe ich erst jetzt…

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