Tage des letzten Schnees

Die Form der Worte war perfekt, er hatte nie etwas Vergleichbares gesehen, es waren Kristalle, die immer neue Verbindungen eingingen, in schneller Abfolge, aber fließend, nicht willkürlich, sondern schlüssig und unausweichlich. Buchstaben, die niemand kannte. Worte, die niemand verstand. Sätze, die niemand je ausgesprochen hatte.

Er lehnte sich zurück, ohne den Blick abzuwenden, und dachte, dass es etwas anderes nicht mehr zu tun gab. Nur noch dieses eine. Er würde lernen müssen – und es würde lange dauern, vermutlich ein Leben lang -, er würde lernen müssen, früher oder später, diese Sprache zu sprechen.

Jan Costin Wagner, „Tage des letzten Schnees“

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3 Gedanken zu “Tage des letzten Schnees

    1. Gar nicht indiskret… weil es in meinen Augen eine Schlüsselstelle sein könnte im Buch und eine gute Metapher für das, was manchmal im Kopf geschieht nach einem traumatischen Ereignis: Dissoziation. Die Überschrift ergibt sich aus dem der Jahreszeit nicht entsprechenden Titel des Buches..;-)

      1. Vielen Dank für die Beantwortung meiner Frage. Oh ja, das mit der Abspaltung ist mir bekannt, auch gestern im Interview mit dem „Vollopfer“-Autoren darüber gehört! Mehr dazu bei mir drüben 🙂

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