Liebes Tagebuch

Liebes Tagebuch, dir kann ich’s erzählen. Gestern beim Abspülen geschah etwas Merkwürdiges: Plötzlich hatte ich diesen eigenartigen Geruch in der Nase, und im selben Moment fiel mir ein Traum aus der Nacht zuvor ein, wobei… der Inhalt ließ sich partout nicht ins Gedächtnis zurückrufen, wohl aber der Mensch, um den er sich drehte und der im Traum diesen Geruch verströmte. Wir kamen dereinst während einer Zugfahrt ins Gespräch, und es entspann sich ein wirklich anregender Dialog über unsere beruflichen und familiären Lebenssituationen. Er, Lehrer und Musiker, und ich, mit Zahlen und Recht und Gesetz jonglierend. Und als er merkte, dass ich damit alles andere als glücklich war, hielt er ein sehr charmantes Plädoyer über Sinn und Zweck dieser meiner Profession. Fast so als könne Musik machen letztlich jeder, mit Zahlen und Recht und Gesetz jonglieren dagegen nur wenige. Jedenfalls brachte mich sein Esprit zum Lachen, gleichzeitig gab er mir keinen Grund, die Ernsthaftigkeit seiner Rede an irgendeiner Stelle in Zweifel zu ziehen. Kurzum: Diese Begegnung ist mir bis heute in sehr angenehmer Erinnerung geblieben. Nur der Traum verheißt nichts Gutes: Der Geruch, den ich gestern beim Abspülen plötzlich in der Nase hatte, kündete von Krankheit und Verwesung und hinterlässt im Nachgang ein Gefühl der Beunruhigung. (Ich kann nicht aufhören, mich mittelmäßig, zufallsbedingt, sterblich zu fühlen.) Auch oder vor allem weil die olfaktorische Wahrnehmung so unheimlich und intensiv war.

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2 Gedanken zu “Liebes Tagebuch

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