My course is set for an uncharted sea

Wir müssen uns Kimmo Joentaa als einen jungen Mann vorstellen. Zum Glück gibt es gesetzt den Fall, dass dies misslingen sollte, den Erzähler, der einen von Zeit zu Zeit an die Kandare nimmt, um zu verhindern, dass die Phantasie der geneigten Leserin vollkommen mit ihr durchgeht. Aber was heißt hier Phantasie. Nichts leichter, als sich in jemanden hineinzuversetzen, dem Schlafes Bruder gerade einen geliebten Menschen geraubt hat. So weit so schlimm. Diesen Stein rollt er von nun an vor sich her. Dass es ausgerechnet einen jungen Menschen treffen muss, will gar nicht in die Gefüge von Raum und Zeit passen, die wir uns manchmal als Trost zurechtlegen, von wegen der natürliche Lauf der Dinge und so. Seine Introvertiertheit macht es ihm auch nicht leichter, mir den Protagonisten dafür um so sympathischer. Wirklich ein durch und durch gelungener Gegenentwurf, dieser junge Polizist, zu all den toughen Krimifrauen, deren einzige Schwäche es ist, sich nach einem langen Tag am Seziertisch ein Glas gut gekühlten Weißwein zu genehmigen. Kimmo dagegen trinkt Milch zum Abendbrot in seinem einsamen Haus am naturgemäß eiskalten finnischen Ende der Welt.

Ketola kicherte leise, während er durch den stärker werdenden Schneefall lief. Er mochte Kimmo, die Integrität dieses Mannes oder wie immer man das nennen wollte, war ein wenig penetrant, die Art, wie er alles so verdammt ernst nahm… aber er mochte ihn wirklich, und er hatte zwei volle Jahre lang mit dem Gedanken gespielt, mit Kimmo irgendwann länger über den Tod seiner Frau zu sprechen, weil er das Gefühl nicht los wurde, dass dieser Mann in aller Stille am Tod seiner Frau verrückt wurde, und mit Verrückten, vor allem mit Verrückten in jungen Jahren, kannte Ketola sich aus.

Das Zitat ist schon aus dem zweiten Band der Reihe, „Das Schweigen“, denn natürlich will ich wissen, wie es mit Kimmo weitergeht. Das dazu.

In „Diese schönen Tage“ von Patrizia Cavalli entdeckte ich diese Woche ein Gedicht mit dem Titel „Scheint auch der Tag vorübergezogen“:

Scheint auch der Tag vorübergezogen
wie der Flügel einer Schwalbe,
wie hingeworfener Staub
den man nicht auflesen kann
und die Beschreibung, die Erzählung
sind nicht nötig, nicht erhört
bleibt immer ein Wort übrig
ein Wörtchen nur
um vielleicht zu sagen
daß es nichts zu sagen gibt.

So geht es mir meistens am Ende eines Tages. Dann helfen weder Weißwein noch Milch. Weil mir die Zeilen so vertraut vorkamen, stöberte ich in meinen Notizen, und abgesehen davon, dass ich fündig wurde, stieß ich darüber hinaus in drei ganz unterschiedlichen Zusammenhängen noch auf jeweils einen Absatz, die gemeinsam plötzlich einen Sinn ergaben. Daraus wurde dann „Scheint auch die Nacht vorübergezogen“.

Das Gilben der Karten beginnt lange bevor es augenfällig wird, das Suchen der Farben aber hört niemals auf. Ja, es ist schön, wie sich alles verzweigt und verbindet.

Der Sohn entführte mich heute in die Welt des Monsieur Hu. Hier wird Ingwertee mit Minze empfohlen. Savoir vivre. Die kulinarische Landkarte jedenfalls ist groß…

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