Inselmittag

Wir sind Fremde
von Insel
zu Insel.
Aber am Mittag, wenn uns das Meer
bis ins Bett steigt
und die Vergangenheit
wie Kielwasser
an unsern Fersen abläuft
und das tote Meerkraut am Strand
zu goldenen Bäumen wird,
dann hält uns kein Netz
der Erinnerung mehr,
wir gleiten
hinaus,
und die abgesteckten
Meerstraßen der Fischer
und die Tiefenkarten
gelten nicht
für uns.

Hilde Domin

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5 Gedanken zu “Inselmittag

  1. Ach, das ist von Hilde Domin – ich dachte zuerst, dass sei von Dir. Beeindruckend auf jeden Fall, wie das (stinkende) Kielwasser wegläuft …

      1. … hui, ich habe, ist mir inzwischen aufgefallen, die Zeile falsch verstanden. Kielwasser ist ja nicht das stinkende Wasser, das im Kiel ist (das nennt man Bilgewasser), sondern das Wasser, das unterm Kiel durchströmt. Hätte mir als altem Segler nicht passieren dürfen …

    1. Schön, dass es Dir gefällt. Gesegelt bin ich noch nie. Ich scheue alles, was schaukelt. Aber beim Lesen dieses Gedichts stehe ich in Gedanken am Meer. Und das genügt mir vollkommen…

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