1913

Colonel Mervyn O’Gorman, der Leiter der britischen „Royal Aircraft Company“, treibt 1913 zwei technische Entwicklungen voran, die ebenfalls alles bisher Gebotene übertreffen sollen: Unter der Woche entwickelt der legendäre Luftfahrtingenieur schlagkräftige Kampfflugzeuge für den Kriegseinsatz. Und am Sonntag, wenn die Sonne scheint, arbeitet er mit seiner Kamera und dem Autochromverfahren, um gestochen scharfe Farbfotos von seiner schönen, herben Tochter Christina zu machen. Seine Flugzeuge gehen in die Weltgeschichte ein. Seine Fotos vom Strand in der Nähe von Lulworth Cove in Dorset in die Kunstgeschichte. Ein unschuldiges junges Mädchen in Farbe, am Strand entlanglaufend, an einem Ruderboot lehnend. Kein Flugzeug am Himmel. Nur Rottöne, Blautöne, Brauntöne, sanft schlagen die Wellen an den Strand. Verwunschene Fotos, 1913 entstanden, doch zum Greifen nah.

Florian Illies, „1913“

Mervyn O'Gorman, "Christina" (1913)

Mervyn O'Gorman, "Christina" (1913)

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4 Gedanken zu “1913

    1. Stimmt. Gestochen scharf, wie Illies schreibt, trifft es nicht wirklich. Scharf und sanft zugleich. Schärfe ist oft ein viel zu überbewertetes Attribut in der Fotografie, finde ich. Danke für Deinen Kommentar!

  1. Echte Kunstwerke, die Bilder. Und Wahnsinn, in welch unterschiedliche Richtung wissenschaftliche Entwicklung gehen kann.
    Liebe Grüße zum Abend,
    Marlis

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