Ich ist ein anderer

Klaus Pichler, aus der Serie "Just the two of us"
Klaus Pichler, aus der Serie „Just the two of us“

Krümelmonster am Küchentisch: Klaus Pichler porträtiert Menschen in Verkleidung

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12 Gedanken zu “Ich ist ein anderer

  1. Manchmal fraage ich mich, ob man einfach nur lange genug abwarten muss, um auf dem Kunstmarkt mit „Neuem“ oder besser vielleicht „originellem“ brillieren zu können und den Galeristen und sich selbst die Kasse zu füllen. Die Inszenierung erinnert stark an die Photographien von Eugene Meatyard.
    Schöne Grüsse aus dem Zweistromland

    1. Ich finde Pichlers Ansatz spannend. Für ihn war das Wichtigste, die Leute in ihren Wohnungen zu fotografieren: „Meine Annahme war, dass man sich die Wohnung so einrichtet, wie man selbst ist… eine Fortsetzung der Persönlichkeit in den Raum.“ Unter dieser Voraussetzung die Leute zwar in ihrem persönlichen Umfeld aber maskiert zu sehen, das macht für mich den Reiz dieser Bilder aus.

      1. Den Anfang des Ansatzes kann ich gut nachvollziehen, warum aber dann die Maskerade? Weil es Pichler „reizt“ oder wo liegt der tiefere Sinn und besonders auch für die portraitierten Menschen? Damit bin wieder bei meinem ersten Kommentar gelandet.

        1. Also, wenn mich einer auf meiner Couch oder am Küchentisch sitzend ablichten wollte, einfach so, da würde ich mich fragen, was soll das und für das Interesse dankend ablehnen. Wenn es dagegen heißen würde, verkleiden Sie sich, würde ich überlegen: Welche Maske wähle ich. Eine, die etwas zum Ausdruck bringt, das ich anders vielleicht nicht zeigen kann, eine, die verhüllt, was ich nicht zeigen will. Eine, die zum Ambiente passt, eine die gerade das nicht tut. So viele reizvolle Fragen..:-)

          1. „Ist die Welt nicht gross genug, dass wir uns alle darin können?“ (Arno Schmidt). Mir würde es ergehen wie dir, wenn mich einer maskiert in der Küche oder wo sonst auch immer in der Dunkelkammer ablichten wollte. Ich möchte mich nicht verkleiden. Ich würde von einem guten Fotografen erwarten, dass er im Gespräch mit mir genau im richtigen auf den Auslöser drückt. Dieses Foto würde dann ein Stück meines Seins repräsentieren…
            Aber deine Frage nach exakt diesem Sinn scheint mir interessant genug, um ihr zu folgen.

            1. Diese Menschen hatten sicher Spaß am Verkleiden. Aber darum geht es meiner Meinung nach nur vordergründig. Die Frage nach der Maske scheint mir doch eine grundsätzliche zu sein im Leben. Ich sehe das vollkommen wertfrei. Wir alle tragen Masken. Die Rollen, die wir spielen, die Strategien, die wir uns zurechtgelegt haben, die Haut, die wir zu Markte tragen. Das heißt für mich nicht, dass wir der Welt etwas vormachen. Die Person, die wir darstellen und das darin steckende Ich, das wir sind, beide zusammen sind ein hoch komplexes Gebilde. Ein guter Fotograf drückt in dem Moment auf den Auslöser, in dem ein Stück Deines Seins sichtbar ist, da gebe ich Dir recht. Aber auch das Ich eines Herrn Ärmel wird viel zu verletztlich sein, als dass es ohne Masken auskäme, meinst Du nicht?

              1. Es will mir scheinen, dass unsere Schienen seit der Weiche soeben in verschiedene Richtungen führen. Du sprichst von Menschen und deren möglichen Vorlieben oder Abneigungen. Ich hingegen von Menschen als fotografischen Objekten.
                Ich will deiner Richtung ein Stück Wegs folgen: Meine Verletzlichkeit und Fischewahrnehmung verlangen, wenns denn Maske genannt werden soll, den Rückzug auf menschlichunvermintes Gebiet. Immer mehr meiner früheren Masken sind mir auf meiner Lebensreise abhanden gekommen. Einerseits weil sie mir nicht zusagten, andererseits weil sie mir nachweislich keine ausreichende Deckung boten. Nicht zu vergessen wohlmeinendfreundliche Menschen, deren Aussagen hinsichtlich meiner Masken und deren Gebrauch ich trauen konnte. Bis jetzt jedenfalls, was nicht bedeutet, dass ich nicht um die Aufenthaltsorte gut sortierter Maskenhändler wüsste.
                Nächtlichschöne Grüsse aus dem Zweistromland

                1. Menschen als fotografische Objekte. Genau. Die Frage war doch, worin der Reiz bestehen könnte, Menschen in Verkleidung zu portraitieren. Darauf habe ich mich bezogen. Ich weiß nicht, welche Gedanken Pichler sich gemacht hat, meine gehen bei seinen Bildern jedenfalls in diese Richtung. Nicht zu vergessen die Einsamkeit, die natürlich aus ihnen spricht.
                  Nächtlichschöne Grüße zurück aus dem Einstromland

  2. Erstaunlich, ich weiß, nicht warum, aber ich habe sofort an das Märchen von Rotkäppchen gedacht. Ist spannungsvoll inszeniert dieses Foto. Ich kenne den Fotografen noch nicht? danke für den Hinweis. LG Roswitha

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