Alles, was ist

Er fügte hinzu: „Ich hoffe, du vergisst mich nicht.“

„Da kannst du beruhigt sein.“

Das waren die Worte, die er einsteckte und über die er noch oft mit den Fingern strich, dazu Bilder von ihr, die so konkret waren wie Fotografien. Er wollte ein Foto von ihr, hielt sich aber zurück, sie nach einem zu fragen. Er würde das nächste Mal selber eins machen und es im Büro zwischen den Seiten eines Buchs bewahren, ohne es zu beschriften, kein Name oder Datum. Er stellte sich bereits vor, wie es jemand zufällig fand und fragte, wer das sei. Und er würde es ihm einfach wortlos aus der Hand nehmen.

James Salter, „Alles, was ist“

Am Ende kommt es zu nichts von alledem. Auch die zweite große Liebe im Leben Philip Bowmans verläuft sich. Es wird noch eine dritte geben und eine vierte. Was aus der letzten wird, bleibt offen.

Unmerklich vergeht die Zeit in und mit diesem Buch. Ehe man sichs versieht, versiegt der Erzählstrom. Ein Mäandern um Miniaturen, wie sie die Gedächtnisborde eines jeden füllen und nur ab und an im Schlaglicht des Bewusstseins aufscheinen. Salters Miniaturen aber sind so zart und exquisit wie teures Porzellan. Er formuliert fein und zurückhaltend, fast als wolle er sie selbst nicht zerschlagen. Er weiß um das rechte Maß an Worten. Nicht mehr und nicht weniger lässt er seinen Miniaturen angedeihen. Von der ersten bis zur letzten Seite bleibt er seinem diesem Buch voran gestellten ersten Satz treu:

Irgendwann wird einem klar,

dass alles ein Traum ist,

und nur geschriebene Dinge

die Möglichkeit haben, wirklich zu sein.

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