Embrace

Die Kamera unterscheidet nicht zwischen Berühmtheiten und einem Niemand, zwischen einem guten Freund und einem völlig Fremden, wenn sich der Verschluss öffnet.

Fred Stein

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Fred Stein, „Embrace“ (Paris, 1934)

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18 Gedanken zu “Embrace

    1. Vielleicht weil Farbe sinnlicher ist und körperlicher wahrgenommen wird? Mir sagte mal jemand, er stelle sich die Seele grau vor. Ich fand das irgendwie ziemlich passend.

      1. Wenn die Seele grau ist, dann hat sie die Farbe des Gehirns und des Rückenmarks.
        Ist Farbe wirklich sinnlicher?
        Ist sie nicht einfach nur lauter?
        Ich mag es bunt, aber trotzdem erscheint mir Farbe flüchtiger und wniger authentisch als schwarz und weiß.

          1. Als Gegenargument, dass Farbe nicht einfach nur lauter ist, möchte ich das Novemberblütenbild auf dem HausHundHirschblog anführen: http://haushundhirschblog.wordpress.com/2013/11/16/novemberbluten/ – Dass Farbe manchmal oder sogar oft lauter ist, möchte ich damit aber nicht bestreiten. Ich finde, es kommt auf die Dosierung an. Selbst eine Prise Farbe kann mitunter bewirken, näher hinzuhören, tiefer hinzugucken. Du streust sie ja auch zuweilen…

            1. Ja, gut, dass Du das noch einmal differenziert hast. Natürlich ist Farbe auch ein wunderbares Mittel, um Akzente zu setzen, ich hatte nur ein schreiend buntes Bild vor Augen, das ja auch schön sein kann (und häufig genug ist), aber die Wirkung ist eine grundsätzlich andere, irgendwie plakativer. Bei dem wundervollen Haushundhirsch Bild, das Du anführst, handelt es sich ja fast um ein Schwarz weiß Bild, (von diesem Verständnis laut und tief her betrachtet), weil Dieter Moetzel da mit Schattierungen spielt. Bunt ist etwas anderes. Aber auch das hat durchaus sein Recht. Nur eben eine andere Wirkung.

            2. Dieses wunderbare Bild hatte ich auch gesehen.
              Aber es ist dioch in dem Sinne nicht bunt, sondern fast monochrom.
              Nicht schreiend, sondern ruhig.
              Wahrscheinlcih muss ich selbst noch einmal über das nachdenken, was ich da gesagt habe.
              Wenn ich an Bilder von Naturereignissen denke, oder auch von Natur an sich, dann nimmt S-W Fotografie etwas vom Wesentlichen.
              Interessante Diskussion jedenfalls. Sehr gedanken-anregend.

        1. Den Hinweis auf die Authentizität im Hinblick auf die Schwarz-WeissFotgrafie kann ich nicht nachvollziehen. Im ursprünglichen Wortsinn träfe das doch im Gegenteil genau auf die Farbfotografie zu: authentisch -> αὐθεντικός / authentikós „echt“.
          Was gibt denn deiner Meinung nach die S-WFotografie authentischer wider als die Farbfotografie, abgesehen von einer möglichen künstlerisch-ästhetischen Wirkung?
          Schöne Grüsse vom Schwarzen Berg

          1. Was ich in diesem Zusammenhang mit Authentizität meine, ist dass die Farbe den Blick auf das Innere verstellen kann, durch den Lärm den sie erzeugt.
            Bunt wird in der S-W Fotografie zu vielen Grautönen. Nach meinem Empfinden lenkt das weniger ab, vom Eigentlichen, dem Wesen, wenn man so will.
            Natürlich hast du in sofern Recht, als dass die Farben ja da sind, und ihre Ausblendung das Ganze verfälscht.
            Die künstlerisch-ästhetische Wirkung von s-w Bildern ist für mich ungleich größer. Sie wirken ernster und essentieller.
            Schöne Grüße vom Kreuzberg

            1. Zu Authentizität im Allgemeinen fällt mir noch ein, was Christian Petzold einmal in Bezug auf seinen Film „Barbara“ sagte, der in der ehemaligen DDR spielt. Für eine möglichst authentische Kulisse genügt es nicht, ein Straßenbild zum Beispiel einfach 1:1 nachzubauen. Das Ergebnis wäre vollkommen überladen und chaotisch. Das menschliche Gehirn filtert ja beim Sehen. Wir können unmöglich jedes einzelne Detail wahrnehmen und dem muss auch eine Filmkulisse Rechnung tragen. Wenn die am Ende vollkommen authentisch wirkt, dann nicht, weil sie bis in den letzten Winkel ausstaffiert ist, sondern im Gegenteil, jede Menge weggelassen wurde. Was ich damit eigentlich sagen will: Sogar eine besonders gelungene Inszenierung kann als authentisch wahrgenommen werden. Und ich glaube, eine gute Schwarz-Weiß-Fotografie ist für mich vor allem auch das: eine besonders gelungene Inszenierung.

  1. Farbe kann schnell geschwätzig werden in der Fotografie. Insofern ist eine S-W Fotografie schwieriger herzustellen, denn das Licht leitet das Auge. Ob sie „dem Wesen der viel näher kommt“ sei dahingestellt, dafür müssten vorab die Parameter der Bewertung bestimmt werden.
    Schöne Grüsse vom Schwarzen Berg

      1. „Wär nicht das Auge sonnenhaft, die Sonne könnt´ es nie erblicken..“ (J.W.v. Goethe).
        Konkret: jeder kann beim Betrachten einer Fotografie an sich selbst wahrnehmen und entdecken, dass der Blick von den dunklen zu den hellen Partien im Bild „geleitet“ wird. Deshalb achten Fotografen in der Regel (aber keinesfalls immer) bei der Komposition darauf, dass der Blick im Bild gehalten, das Bild somit „interessant“ wird. Weil ein Teil unseres wahrnehmenden Bewusstseins von links oben nach rechts unten orientiert ist, z.B. durch die Schrift), komponiert man – das ist jetzt zur Verdeutlichung pauschal gesagt – oben links heller und rechts unten dunkler. So wird der Blick im Bild „gehalten“. Andernfalls würde der Blick, „wie gewohnt“ das Bild durchlaufen und wir würden uns dem nächsten Bild zuwenden.
        Im obigen Bild zum Beispiel wäre dies der Fall, wenn nicht der grell weisse Lichtfleck unter der Lampe den Blick festhalten würde, sodass er zwischen diesem Fleck und der „Urmarmung“ hin und her pendeln würde. Dies macht, neben der grafischen Gestaltung durch die Linien (Spuren im Schnee) die Faszination dieser Photographie aus.
        Ist Deine Frage damit hinreichend erklärt?

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