Auf der Suche nach dem perfekten Bild

I think nearly every artist continually wants to reach the edge of nothingness – the point where you can’t go any further.

Harry Callahan

Harry Callahan, "Eleanor" (Chicago, 1948)
Harry Callahan, „Eleanor“ (Chicago, 1948)
Advertisements

20 Gedanken zu “Auf der Suche nach dem perfekten Bild

  1. Ich habe viele Fotografien im Stil Callahans. Bei fotografieren (bzw. gestalten) dieser schlichten Aufnahmen besteht immer eine merkwürdige Sehnsucht, noch mehr wegzulassen. Quasi die Gegenbewegung zur allgegenwärtigen inszenierten Überfülle des Alltags, die das Leben betreffend an sich schon unwirklich ist.
    Lichte Grüsse vom Schwarzen Berg

    1. Reduktion ist eine große Kunst. Dieses Bild wirkt schon fast wie vom Weglassen besessen. Sehr spannend finde ich die Art, wie er seine Frau über Jahre in seine Bilder eingebaut hat. Mit welcher Distanz. Portraitieren kann man das ja nicht nennen.
      Bleibt zu hoffen, dass es die ein oder andere Fotografie im Stile Callahans mal auf Deinem Blog zu sehen gibt, und möge es licht bleiben auf dem Schwarzen Berg!

          1. Schönen Dank!
            Ich habe mich auf deinem Blog umgesehen. Er gefällt mir. Ausserdem weckt er Erinnerungen. In Berllin habe ich allerdings im (roten) Wedding gewohnt.
            Schöne Grüsse vom Schwarzen Berg

            1. Freut mich, dass dir mein Blog gefällt. Du warst also auch mal in Berlin.
              Der Wedding verändert sich gerade rasant. Das ist die neue Adresse für Leute die Eigentumswohnungen kaufen wollen. Steinbrück ist auch schon hingezogen. Das lässt für die Ureinwohner auf nichts Gutes hoffen.

              Schöne Grüße zurück!

              1. Mein Quartier war in der Tegelerstrasse. Da wollte damals keiner freiwillig hin. Vor einigen Jahren war ich nochmal dort und habe nichts mehr wiedererkannt. Schnieke aufgemöbelt die liebe, alte und verkommene Gegend. Die Eckkneipen waren natürlich auch weg

    1. Irgendwie ist das ja auch kein Fenster zum Hof. Die Scheiben sind fast blind. Auch die scharfen Ecken und Kanten haben fast etwas Abweisendes. Und die Rückenansicht der Frau trägt noch dazu bei, dass ich als Betrachter allmählich beginne, mich für den Raum zu interessieren, der auf dem Bild gar nicht zu sehen ist. Wo der Fotograf ist oder ich bin oder womöglich, was sich in meinem Rücken befindet.

      Vielen Dank für Deinen Kommentar!

  2. Ich frage mich nach dem Grössenverhältnis zwischen dem zentralen Fenster und der Grösse der Frau. Ein Dachgaubenfenster in dieser Grösse oder eine kleine Frau?
    Und das geöffnete Fenster rechts, davor Tisch und Stuhl. Was kommt da für ein Dreieick direkt auf den Kopf der Frau zu? Und die „Wolke“ darüber? Das eine kann kein wehender Vorhang sein und das andere nicht von einer Zigarette stammen….

    1. Jetzt, wo Du es sagst… – Das Dreieck, ist das nicht einfach ein hellerer Anstrich an diesem Durchbruch zum Nebenraum, der „zufälligerweise“ auch noch vortrefflich mit der Dachgaube korrespondiert?

      1. Ich habe mir das Foto mal hochgezogen um die Details besser erkennen zu können. Dabei ergeben sich allerdings weitere Fragen.
        – Wo endet die Wand mit dem Gaubenfenster nach rechts hin? Das Fenster rechts hat nämlich einen anderen Winkel, folglich müsste irgendwo eine „Richtungsänderung stattgefunden haben.
        – Könnte der „hellere Anstrich“ nicht auch ein Durchbruch zu einem Raum nach rechts hin sein, weil a) die Wand, auf man zuerst schaut ein dachschräge ist und b) das Fenster rechts beschnitten ist.
        – Andererseits stimmten dann die beiden Winkel von Dachschräge und Durchbruch nicht überein…
        – könnte es sein, dass der Fotograf bei der Positiventwicklung eine Art Photogramm eingebaut hat. das wäre dann diese mittelgraue geometrische Figur, die pfeilartig zum Kopf der Frau zeigt.
        Nur mal so in den Raum gestellt~~~~

        1. Genau das meinte ich: der hellere Anstrich ein Durchbruch zu dem Raum nach rechts hin. Nur: Der Plausibilitätsprüfung bautechnischer Fragen fühle ich mich gerade hilflos ausgeliefert..;-) – Andere Frage: Könnte es sein, dass das Bild der Frau dahinein montiert ist?

          1. Eine konstruktive Idee! Da ich Fotomontagen eher ablehnend gegenüberstehe, habe ich diese Idee noch garnicht in Betracht gezogen.
            Wenn ich mich lediglich auf Licht und Schatten an der weiblichen Person konzentriere, könnte das schon hinkommen. Auch im Hinblick auf die Grössenverhältnisse der Gesamtkomposition – besonders des Gaubenfensters, welches unter diesem Gedanken plötzlich viel zu gross erscheint…

            1. Jetzt haben wir es bald endgültig entmystifiziert..;-) – Ich habe ein bisschen nachgelesen und dachte, es könnte zu Callahan und seiner Arbeitsweise, die sämtlichen Möglichkeiten, die die Fotografie so bietet, auch zugeneigt war, passen.

              1. Zum Thema Entmystifikation wäre Walter Benjamin zu Rate zu ziehen: Trägt unser Vorgehen zur Zerstörung der Aura dieses Kunstwerkes bei oder hat es a priori keine Aura? (W. Benjamin: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit)
                Nachmittägliche Grüsse vom Schwarzen Berg

                1. Ich kenne ja nur seine „Kleine Geschichte der Photographie“, wo er die Aura als „einmalige Erscheinung einer Ferne, so nah sie sein mag“, definiert, die Aura also der Fotografie, weil reproduzierbar und jederzeit an jedem Ort verfügbar, längst abhanden gekommen ist. Sofern ich es richtig verstanden habe. Im Verlaufe dieses Diskurses habe ich aber darüber nachgedacht, ob der, ich nenne es Zauber des Bildes dadurch für mich zerstört würde. Dabei fielen mir die Gespräche ein, die François Truffaut mit Alfred Hitchcock führte: „Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?“, und bei der Lektüre gewinnt man nicht den Eindruck, als wäre das Werk Hitchcocks damit für Truffaut entzaubert. Im Gegenteil: Je größer die Faszination, um so neugieriger bin ich doch auf die Hintergründe. Letzten Endes liegt der Zauber eines jeden Bildes für mich in seiner Aussage, und die wurde jetzt durch die Zergliederung des Motivs in keinster Weise abgeschwächt. An anderer Stelle „Über einige Motive bei Baudelaire“ schreibt Benjamin übrigens: „Dem Blick wohnt aber die Erwartung inne, von dem erwidert zu werden, dem er sich schenkt… Die Aura einer Erscheinung erfahren, heißt sie mit dem Vermögen belehnen, den Blick aufzuschlagen.“ Wenn ich nun einfach ignoriere, dass die Fotografie im Benjaminschen Sinne eigentlich gar keine Aura mehr hat, kommt das dem, was ich zum Ausdruck bringen will, schon ziemlich nahe..;-)

                  1. Ich finde Deine Gedanken dazu klar und richtig. Ich sehe das genauso. Eins ist die Theorie oder ein Gedankengebäude, ein anderes das Wesen des Menschen, der jenes hervorgebracht hat. Benjamin war nun mal ziemlich elitär in seinem (bürgerlichen) Kunstverständnis, auch wenn er anderes angeregt und gefordert hat. Gerade auch für den Film. Und ich wette, nach allem was ich über ihn weiss, dass er selbst mit der Fotografie (schon handwerklich) nicht zurechtgekommen ist. Probiert hat er es sicherlich, davon kann man ausgehen. Ihm lag es emotional überdies viel näher, den „Vergesslichen Engel“ von Paul Klee mit sich herumzutragen statt einer Photographie.
                    Im Prinzip stand er denen, für die er vorgab seine Stimme zu erheben, mindestens ebenso fern wie Karl Marx. Der hatte zwar erkannt, dass einzig das Proletariat als Masse die grosse gesellschaftliche Veränderung erringen könnte, allein ge- oder vertraut hat er ihm nie. Leider weiss man das erst seit wenigenJahren aus sicheren Quellen. Öffentlich gemacht hat er diese seine Meinung nie.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s