Alles, was ist

1. Tagesanbruch

Die ganze Nacht hindurch, im Dunkel, preschte das Wasser vorbei.

Reihe um Reihe lagen Hunderte von Männern schweigend übereinander in den eisernen Kojen unter Deck, viele mit dem Gesicht nach oben, die Augen noch offen, obwohl fast Morgen war. Die Lichter waren gedämpft, die Motoren dröhnten unaufhörlich, die Ventilatoren zogen feuchte Luft, fünfzehnhundert Mann mit Tornistern und Waffen, schwer genug, um sie geradewegs auf den Grund zu ziehen, als würde ein Amboss ins Meer fallen, ein Teil der riesigen Flotte mit Kurs auf Okinawa, der großen Insel südlich von Japan. Im Grunde war Okinawa Japan, das fremde, unbekannte Land. Der Krieg, der seit dreieinhalb Jahren andauerte, befand sich in seinem Schlussakt. In einer halben Stunde würden die ersten Männer sich zum Frühstück aufreihen, es im Stehen essen, Schulter an Schulter, ernst, ohne zu sprechen. Das Schiff bewegte sich ruhig durch das Wasser, hier und da ein dumpfes Geräusch. Der Stahlrumpf knarrte.

James Salter, „Alles, was ist“

9783827011626_300

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3 Gedanken zu “Alles, was ist

  1. Wenn ein Stahlrumpf knarrt, dann ist er am zerbersten. Ich werde dieses Buch sicherlich nicht lesen.
    Schönen Dank für die Präsentation und ebensolche Grüsse vom Schwarzen Berg

    1. Es wird Dich vermutlich nicht umstimmen, aber das letzte Kapitel des Pazifikkrieges auf See wird nur auf den ersten dreizehn Seiten beschrieben. Wenn auch grandios.

      1. Deine Vermutung bestätige ich. Es mag weniger an dem Textauszug liegen als daran, dass die Zeit (meine Zeit) knapp ist. Da muss ich bei der Auswahl meiner Literaturen vorsichtig sein.

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