Open City

Mit fünfzig, so alt schätzte ich sie, erfordert gutes Aussehen oft Mühe. Für Frauen im Alter der Bedienung im Café genügte es, ein bisschen gut auszusehen. Mit zwanzig spielt alles perfekt zusammen: die straffe Haut, die gerade Haltung, der selbstbewusste Gang, das gesunde Haar, die klare und feste Stimme. Mit fünfzig ist es ein Kampf. Und deswegen war der Nachmittag eine Überraschung – für die Touristin, die mein deutliches, weitgehend wortloses Interesse spürte, und für mich, der völlig unerwartet von diesen großen graugrünen Augen, die mich traurig und klug anblickten, verführt wurde.

Teju Cole, „Open City“

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2 Gedanken zu “Open City

  1. ich mag diese stelle nicht besonders, wenn auch immerhin mehr als das unklare sexuelle übergriffsding, das die geschichte für mich zum ende völlig unnötigerweise dreht, das mir zu viel ist. diese stelle mag ich nicht, weil sie zweifellos wahr ist, und gleichzeitig etwas zugleich männlich überhebliches und überflüssiges hat. das überhebliche der jugend, aber auch der männer…

    1. Ich weiß, was Du meinst. Aber ich mag diese Stelle, gerade weil sie wahr ist. Ich finde, sie passt ziemlich gut ins Bild dieses Flaneurs. Er lässt sich nicht wirklich auf etwas ein. Bis jetzt zumindest, Seite 206.

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