aufwachraum I

ach wär ich nur im aufwachraum geblieben
traumverloren tropfgebunden unter weißen

laken neben andern die sich auch nicht fanden
eine herde schafe nah am schlaf noch nah an

gott und trost da waren große schwesterntiere
unsre hirten die sich samten beugten über uns –

und stellten wir einander vor das zahlenrätsel
mensch: von eins bis zehn auf einer skala sag

wie groß ist dein schmerz? – und wäre keine
grenze da in sicht die uns erschließen könnte

aus der tiefe wieder aus dem postnarkotischen
geschniefe – blieben wir ganz nah bei diesem

ich von andern schafen kaum zu unterscheiden
die hier weiden neben sich im aufwachraum

Uljana Wolf

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2 Gedanken zu “aufwachraum I

  1. ich liebe dieses gedicht. damit habe ich uljana wolf kennen gelernt. und es war so sonderbar, vor meiner op habe ich ständig daran gedacht. im aufwachraum selbst dann nicht mehr 😉 Übrigens kommt sehr bald ihr neuer gedichtband heraus. ich warte quasi täglich darauf.

    1. Ich hörte es heute morgen kurz nach dem Aufwachen im Deutschlandradio. Danach dachte ich: Wenn ich ohne Bezug zu Lyrik wäre, diese Zeilen hätten mich mit traumwandlerischer Sicherheit erreicht. Sie schweben genau in dem Bereich, wo Bewusstsein und Unterbewusstsein sich noch auf Augenhöhe begegnen. Wie kurz nach dem Aufwachen eben. Der Name der Autorin war mir natürlich durch Dich ein Begriff..;-)

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