Sag mir, meine Schöne

Kein Kampf mit dem Engel,
kein Ringelreihen,
kein Sein oder Nichtsein.
Wahrlich, damit bin ich geschlagen:
Erinnerung und Vergessen, beides zugleich.
Sie narren einander und belauern sich eifersüchtig.
Das kommt davon, wenn man am Leben ist.
Sag es dem Ahorn, in seinem vollen Oktoberlaub,
ob er sich nicht dauernd erinnert und sich vergißt.
Sag es dem Meer,
sag es dem Schlaf und seinem Bruder.
Sag mir, meine Schöne,
gibt es dort, wo du bist, noch mehr deinesgleichen?

Ich weiß noch, als ich davon hörte,
daß die weibliche Zypresse breite,
die männliche schmale Hüften habe,
da guckte ich aus dem Fenster. Ein Wort hin,
ein Wort her, und ich sah dem Vorspiel
der Bäume zu, wie lang es dauert: Winter,
Frühjahr, Sommer und Herbst – immer länger.
Ein Ahorn steht beim Ahorn beim andern
oder eine Rotbuche, ein, zwei Jahrhunderte lang.
Glaubst du, das alles wäre eitel?
Während ich mich erinnerte und mich vergaß,
fielen tausend Adjektive in meinen Wäldern
von den Bäumen.

Stanley Moss

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