Der Spion, der aus der Kälte kam

Am Strand stand ein Mädchen und warf den Möwen Brot hin. Sie wandte ihm den Rücken zu. Der Seewind spielte mit ihren langen schwarzen Haaren und zerrte an ihrem Mantel, so dass ihr Körper einem Bogen glich, den jemand aufs Meer hinaus spannte. Bei ihrem Anblick wusste er plötzlich, was es war, das Geschenk, das Liz ihm gemacht hatte und das er wiederfinden musste, wenn er je heim nach England gelangte: dieses Sorge-Tragen im Kleinen, dieser Glaube an ein normales Leben – dieser simple Akt, ein Stück Brot in einer Papiertüte zu zerkrümeln, damit zum Strand zu gehen und es an die Möwen zu verfüttern. Es war eine Achtung vor dem Trivialen, wie er sie nie hatte besitzen dürfen. Brot für die Möwen oder Liebe, was immer es war, er würde zurückkommen und es zu finden versuchen; Liz würde ihm dabei helfen. Eine Woche, vielleicht zwei, dann konnte er zu Hause sein. Control hatte gesagt, dass er behalten durfte, was sie ihm zahlten – und das würde üppig genug sein. Fünfzehntausend Pfund, dazu ein Bonus und eine Pension vom Circus, damit konnte ein Mann es wagen, wie Control es nannte, aus der Kälte herauszukommen…

John le Carré, „Der Spion, der aus der Kälte kam“

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