Der Spion, der aus der Kälte kam

1. Checkpoint

Der Amerikaner gab Leamas noch einen Kaffee und sagte: „Gehen Sie doch heim, schlafen Sie ein bisschen. Wir rufen Sie an, wenn er kommt.“

Leamas antwortete nicht. Er starrte durch das Fenster der Kontrollbaracke auf die leere Straße hinaus.

„Sie können nicht ewig warten, Sir. Vielleicht kommt er irgendwann später. Die Polizei soll einfach der Agency Bescheid sagen, dann sind Sie in zwanzig Minuten wieder hier.“

„Nein“, sagte Leamas, „es wird gleich dunkel.“

„Aber Sie können nicht ewig warten. Er ist jetzt neun Stunden überfällig.“

„Wenn Sie wegwollen, gehen Sie ruhig. Sie haben mir sehr geholfen“, fügte Leamas hinzu. „Ganz prima, ich werd’s Kramer sagen.“

„Aber wie lange wollen Sie warten?“

„Bis er kommt.“ Leamas ging zu dem Beobachtungsfenster und stellte sich zwischen die beiden regungslos dastehenden Polizisten. Ihre Feldstecher waren auf den ostzonalen Kontrollpunkt gerichtet.

„Er wartet, bis es dunkel ist“, murmelte Leamas. „Ich weiß es.“

John le Carré, „Der Spion, der aus der Kälte kam“

9783550080142_cover

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s