Zeugin der Toten

„Ich will das Grab.“

Er drehte sich zu ihr um und sah sie an. „Sie bekommen es. Ich verspreche es Ihnen.“

Judith griff in ihre Tasche, holte die Florena-Dosen hervor und gab sie ihm. Winkler öffnete eine und machte sie sofort wieder zu.

„Es gibt einen verrückten Copyshop in der Silbersteinstraße“, sagte sie. „Die scannen, digitalisieren, duplizieren… Da war ich gestern. Wenn ich merke, dass Sie wieder mal die Kleinen hängen und die Großen laufenlassen…“

„Keine Sorge“, sagte Winkler schnell. Er betrachtete die Dosen immer noch mit einem Blick, als könnte er nicht glauben, was er gerade in der Hand hielt. „Danke.“

Er stieg aus, überquerte die Brücke und verschwand im Bahnhof. Judith wickelte das Päckchen aus. Es war ein MP3-Player. Sonst nichts. Sie wendete den Wagen und ordnete sich hinter dem Kurfürstendamm Richtung Avus ein.

Das erste Lied, das sie hörte, war von Edith Piaf und hieß „Parlez-moi d’amour“.

Sie verließ die Avus an der nächsten Ausfahrt, wendete und fuhr die Stadtautobahn hoch Richtung Prenzlauer Berg.

Elisabeth Herrmann, „Zeugin der Toten“

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