…dass mein Fuß nicht möge gleiten

Der Erzengel Michael, hier ohne sein (flammendes) Schwert, ohne Helm, als Ritter zwar aber keinen Drachen durchbohrend, ohne Stab und ohne Waage im Germanischen Nationalmuseum, Nürnberg
Erzengel Michael im Germanischen Nationalmuseum, Nürnberg

Im Christentum gilt Michael insbesondere als Bezwinger des Teufels in Gestalt des Drachen (Höllensturz) und Anführer der himmlischen Heerscharen, die im Osten vor Gottes Thron stehen. Die letzten Worte, die der Satan vor seinem Sturz hörte, sollen „Wer (ist) wie Gott?“ gewesen sein – eine wörtliche Übersetzung des hebräischen Mi-ka-el. Schon früh wird Michael als Hüter des Paradiestores dargestellt. Nach der kirchlichen Tradition kommt ihm auch die Rolle des „Seelenwägers“ am Tag des jüngsten Gerichts zu.

Quelle: wikipedia

Sein flammendes Schwert hält er zum Glück nicht in der Hand, denn die mächtige Figur hängt hier über der Tür zu einem anderen Ausstellungsraum, und beim Hindurchschreiten hätte man als Betrachter wahrscheinlich das Gefühl, vom Abbild des Erzengels direkt durch die Pforte des Paradieses getrieben zu werden.

Das Foto gibt leider nur bedingt den Eindruck wider, den die überlebensgroße Figur in mir hinterließ, während die vielen anderen Exponate sakraler Kunst nicht wirklich an mich heran zu treten vermochten. Thomas ging es schlecht, und in Gedanken war ich mehr bei ihm denn in der Gruppe, mit der ich unterwegs war. Der Erzengel jedoch hing wie eine Erscheinung unter dem gotischen Gewölbe des ehemaligen Kartäuserklosters, das heute Teil des Museums ist.

Auch als mein Urlaubsantrag am Dienstag positiv beschieden wurde, konnte ich nicht wirklich frohlocken. Zu unwägbar erschienen die unmittelbar bevorstehenden Tage und Wochen.

Alle meine angstbehafteten Gedanken in Worte zu kleiden, würde bedeuten, ihnen noch mehr Raum zu geben. Als würde ihnen, wenn sie einmal geschrieben stünden, ein Stück Unverrückbarkeit zuteil. Und als wären diese Gedanken, sobald in eine feste Form gegossen, nicht mehr frei, die Fließrichtung zu ändern. Eine Art Aberglaube vielleicht, der sich aber nicht abschütteln lässt.

Manchmal wird einem schlagartig bewusst, wie man tickt. Beim Blick in eine Tasche ausrangierter Bücher der Frau Mama zum Beispiel, aus der mir eines ins Auge stach, das ich ihr letztes Jahr zum Mutter- oder Geburtstag, so genau weiß ich das selbst nicht mehr, geschenkt hatte. Mir war klar, dass es nicht zuletzt in den Wirren des Umzugs untergegangen war. Dennoch hätte jemand anderes als Ich in dem Moment lauthals aufbegehrt. Ich dagegen stellte mir vor, wie ich mich fühlen würde, angesichts eines solchen Fauxpas‘ ertappt zu werden. Also nahm ich Die Hellen Tage klammheimlich an mich und brachte sie zunächst einmal stillschweigend in Sicherheit. Und erst als ich meiner Mutter gestern den Staubleser mit der süffisanten Bemerkung und einem Lächeln auf den Lippen „Ich hoffe, es landet nicht auch auf dem Wertstoffhof!“ überreichte, gab ich mich sozusagen zu erkennen. Süffisant, das bedeutet: ein Gefühl von [geistiger] Überlegenheit genüsslich zur Schau zu tragen, selbstgefällig, spöttisch-überheblich. Klingt gemeiner, als es gemeint war. Erinnert aber stark an eine Strategie aus dem alten China: Immer schön die Worte hinter den Zähnen halten.

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3 Gedanken zu “…dass mein Fuß nicht möge gleiten

  1. „Gedanken in Worte zu kleiden, würde bedeuten, ihnen noch mehr Raum zu geben.“ – Das kenne ich nur zu gut. Vielleicht schreibe ich in letzter Zeit deshalb so wenig über meine wahren Befindlichkeiten.

  2. Deine Reaktion auf das ausgesonderte Buchgeschenk finde ich bewundernswert. Ich wäre vermutlich ausgetickt. D.h., es kommt vielleicht auch darauf an, um welche Person es sich handelt und in welchem Beziehungskontext das ganze Geschehen angesiedelt ist.

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