Rotkäppchen

Prof. Dr. Seeger. Rotkäppchen. Verso: "Deutsche Meister-Sammlung". Wohlgemuth & Lissner, Kunstverlagsgesellschaft m.b.H., Berlin. Ges. gesch. No. 3032. Nach einem Original von Prof. Dr. Seeger. Primus-Postkarte.Hermann Seeger, geb. 1857 in Halberstadt, Todesdatum unbekannt, "Genremaler und Graphiker, lebte in Berlin, wo er Kustos der Akademie war" (Ries).
Prof. Dr. Seeger. Rotkäppchen. Verso: „Deutsche Meister-Sammlung“. Wohlgemuth & Lissner, Kunstverlagsgesellschaft m.b.H., Berlin. Ges. gesch. No. 3032. Nach einem Original von Prof. Dr. Seeger. Primus-Postkarte.
Hermann Seeger, geb. 1857 in Halberstadt, Todesdatum unbekannt, „Genremaler und Graphiker, lebte in Berlin, wo er Kustos der Akademie war“ (Ries).

„Rotkäppchen, sieh einmal die schönen Blumen, die rings umher stehen, warum guckst du dich nicht um? ich glaube du hörst gar nicht, wie die Vöglein so lieblich singen? du gehst ja für dich hin als wenn du zur Schule giengst, und ist so lustig hausen in dem Wald.“

Rotkäppchen schlug die Augen auf, und als es sah, wie die Sonnenstrahlen durch die Bäume hin und her tanzten und alles voll schöner Blumen stand, dachte es: „Wenn ich der Großmutter einen frischen Strauß mitbringe, der wird ihr auch Freude machen; es ist so früh am Tag, dass ich doch zu rechter Zeit ankomme“, lief vom Wege ab in den Wald hinein und suchte Blumen. Und wenn es eine gebrochen hatte, meinte es, weiter hinaus stände eine schönere, und lief darnach, und geriet immer tiefer in den Wald hinein…

"O Grandmother, what big ears you have got", she said.Illustration von Arthur Rackham aus "Grimm's Fairy Tales"
„O Grandmother, what big ears you have got“, she said.
Illustration von Arthur Rackham aus „Grimm’s Fairy Tales“

…Rotkäppchen aber war nach den Blumen herumgelaufen, und als es so viel zusammen hatte, dass es keine mehr tragen konnte, fiel ihm die Großmutter wieder ein, und es machte sich auf den Weg zu ihr. Es wunderte sich, dass die Türe auf stand, und wie es in die Stube trat, so kam es ihm so seltsam darin vor, dass es dachte: „Ei, du mein Gott, wie ängstlich wird mir ’s heute zumut, und bin sonst so gerne bei der Großmutter!“ Es rief „Guten Morgen“, bekam aber keine Antwort. Darauf ging es zum Bett und zog die Vorhänge zurück: da lag die Großmutter und hatte die Haube rief ins Gesicht gesetzt und sah so wunderlich aus. „Ei, Großmutter, was hast du für große Ohren!“ „Dass ich dich besser hören kann.“  „Ei, Großmutter, was hast du für große Augen!“ „Dass Ich dich besser sehen kann.“ „Ei, Großmutter, was hast du für große Hände!“ „Dass Ich dich besser packen kann.“ „Aber, Großmutter, was hast du für ein entsetzlich großes Maul!“ „Dass ich dich besser fressen kann.“ Kaum hatte der Wolf das gesagt, so tat er einen Satz aus dem Bette und verschlang das arme Rotkäppchen.

Illustration von Jennie Harbour
Illustration von Jennie Harbour

Es wird auch erzählt, dass einmal, als Rotkäppchen der alten Großmutter wieder Gebackenes brachte, ein anderer Wolf ihm zugesprochen und es vom Wege habe ableiten wollen. Rotkäppchen aber hütete sich und gieng gerade fort seines Weges und sagte der Großmutter dass es dem Wolf begegnet wäre, der ihm guten Tag gewünscht, aber so bös aus den Augen geguckt hätte: „wenn’s nicht auf offener Straße gewesen wäre, er hätte mich gefressen.“

Brüder Grimm, Kinder- und Hausmärchen („Rotkäppchen“)

 

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