Welcher große Staatsmann schloss auf 30 Jahre Frieden mit Sparta?

400px-Pericles_Pio-Clementino_Inv269_n3Perikles (gr. Περικλῆς * vor bzw. um 490 v. Chr.; † September 429 v. Chr.) gehörte zu den führenden Staatsmännern Athens und der griechischen Antike im 5. Jahrhundert v. Chr. Mit seinem Wirken gingen der Ausbau der Attischen Demokratie, die Sicherung der Vormachtstellung Athens im Attischen Seebund und die Durchführung eines glanzvollen Bauprogramms auf der Athener Akropolis einher.

Als fortlaufender Inhaber der Strategenfunktion, des bedeutendsten Wahlamtes in der demokratisierten Gesellschaft Attikas, gelang es Perikles, der über vielgerühmte rhetorische Qualitäten verfügte, die Volksversammlung meist für seine politischen Anliegen zu gewinnen. Eine wesentliche Mitverantwortung fiel ihm dadurch auch in dem sich anbahnenden innergriechischen Machtkampf mit Sparta und dessen Verbündeten zu, der in den Peloponnesischen Krieg und in den Niedergang der hegemonialen Stellung Athens mündete.

Seine Auftritte in der Öffentlichkeit waren sorgfältig kalkuliert und wohldosiert. Man sah Perikles auf der Höhe seines politischen Einflusses nur noch auf dem Wege zu Staatsgeschäften in der Stadt. Einladungen zu Gastmählern oder zu vergnüglichem Beisammensein im privaten Rahmen schlug er aus. Gerade einmal, dass er die Hochzeit seines Vetters Euryptolemos besuchte – aber auch da nahm er nur das Essen ein und ging unmittelbar nach dem Trankopfer. Plutarch begründet: „Denn lustige Gesellschaften können leicht jeden Stolz vernichten, und es ist schwer, im vertrauten Umgange Würde und Ansehen zu behaupten […] Doch Perikles vermied auch einen steten ununterbrochenen Verkehr mit dem Volke, und damit es seiner nicht so bald überdrüssig werde, pflegte er sich ihm nur von Zeit zu Zeit zu nähern.“ Seine Auftritte als Redner sparte Perikles für wichtige Gelegenheiten auf; ansonsten ließ er Freunde und Parteigänger die vereinbarte Linie vor der Volksversammlung vertreten.

Um so wirkungsvoller hat Perikles sich dann offenbar präsentiert, wenn er bedeutsame politische Entscheidungen rhetorisch auf den Weg brachte. Der Nachhall seiner Redekunst ist beträchtlich und beruht auf einem relativ breiten Quellenfundament. Plutarch, der durchaus kritisch sichtete, was ihm an Überlieferung zur Verfügung stand, ordnete das von den Zeitgenossen für Perikles eingeführte Synonym „Olympios“ dessen Sprachmächtigkeit zu und sah ihn diesbezüglich mit den Attributen des Zeus ausgestattet: „denn bald heißt es von ihm, er donnere und blitze, wenn er zum Volke rede, bald, er trage einen furchtbaren Donnerkeil auf der Zunge.“

Von frappierender Überredungskunst zeugt eine ebenfalls von Plutarch erwähnte scherzhafte Anekdote, nach der Thukydides Melesiou, vor die Frage gestellt, ob er oder Perikles im Ringen geübter sei, geäußert haben soll: „Wenn ich ihn auf den Boden werfe, leugnet er doch, dass er gefallen sei, er behält recht, und überredet selbst die, die es gesehen haben.“ Der Komödiendichter Eupolis hinterließ in seinem gut anderthalb Jahrzehnte nach Perikles’ Tod aufgeführten Stück „Die Demosgemeinden“ (Δῆμοι) einen weiteren Beleg für die fortwirkende Faszination, die von dem Redner Perikles ausging: „Sooft er vor der Volksversammlung auftrat, vermochte er – nach Art eines guten Sprinters – die übrigen Redner rasch zu packen, selbst wenn sie einen Vorsprung hatten – von zehn Fuß! […] Zur Schnelligkeit aber kam bei ihm hinzu, dass auf seinen Lippen eine besondere Überzeugungskraft (peitho) saß; so konnte er die Zuhörer bezaubern und ließ als einziger unter den politischen Rednern seinen Stachel in ihren Herzen zurück.“

Einen Widerschein der Inhalte perikleischer Reden ergeben die von Thukydides in seine Darstellung des Peloponnesischen Krieges einbezogenen vier großen Perikles betreffenden Redefassungen, deren bis heute meistbeachtete die Darstellung der Attischen Demokratie in der Rede auf die Gefallenen zu Kriegsbeginn ist. Unabhängig von den Anteilen, die der Zeitzeuge und wegweisende Historiker Thukydides dem Original hinzugesetzt oder weggenommen haben mag, spiegelt sich darin das Bild, das die Athener zu dieser Zeit aus der Sicht ihres führenden Repräsentanten verkörpern wollten bzw. sollten:

„Wir vereinigen in uns die Sorge um unser Haus zugleich und unsre Stadt, und den verschiedenen Tätigkeiten zugewandt, ist doch auch in staatlichen Dingen keiner ohne Urteil. Denn einzig bei uns heißt einer, der daran keinen Anteil nimmt, nicht ein stiller Bürger, sondern ein schlechter, und nur wir entscheiden in den Staatsgeschäften selber oder denken sie doch richtig durch. Denn wir sehen nicht im Wort eine Gefahr fürs Tun, wohl aber darin, sich nicht durch Reden zuerst zu belehren, ehe man zur nötigen Tat schreitet.“

Die Urteile von Mit- und Nachwelt über Art und Ausmaß von Perikles’ politischem Wirken gehen zum Teil weit auseinander. Gründe dafür liegen einerseits in dem Spektrum nachweislicher und möglicher Initiativen in seiner Verantwortung, zum anderen in der Art der Auswertung und Problematisierung historischer Quellen.

Wird auf der einen Seite aus Tradition oder Überzeugung weiterhin der Begriff „Perikleisches Zeitalter“ verwendet, so stellt sich von anderer Warte her die Frage nach dem „Abschied von Perikles“. Gerade in der jüngsten Perikles-Forschung zeigen sich unvereinbare Standpunkte. Wolfgang Will unterlegt sein Abschiedsgeleit so: „Historiker und Archäologen machten sich auf die Suche nach dem großen Mann des 5. Jahrhunderts und fanden Perikles, genauer gesagt, sie erfanden ihn und eine ganze Ära dazu – die perikleische.“ Gustav Adolf Lehmann dagegen bescheinigt Perikles „staatsmännische Leistungen von überzeitlicher und damit welthistorischer Bedeutung“ im Zusammenhang mit „den institutionellen Vorkehrungen, die den im Parteienkampf der 460er Jahre entstandenen Ordnungsbegriff der demokratia mit festen rechtsstaatlichen Garantien sowie mit hohen sozialkulturellen Zielsetzungen unlösbar verbunden haben“. Für ihn entspricht es insofern „durchaus der historischen Logik, dass die Großbauten auf der Akropolis […] zum Symbol der perikleischen Ära, als der überragenden Blütezeit Athens, geworden sind.“

Quelle: wikipedia

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