Das Spinoza-Problem

Als van den Enden Spinozas nachdenkliches, vielleicht auch dankbares Nicken registriert, fährt er fort: „Wenn es nicht die Geschäfte sind, worüber schreiben Sie dann?“

„Ach, nur darüber, was ich vor dem Fenster meines Ladens sehe.“

Van den Enden dreht sich um und folgt Bentos Blick zur Straße hinaus.

„Sehen Sie. Alle sind in Bewegung. Sie hasten hin und her. Den ganzen Tag, ihr ganzes Leben lang. Mit welchem Ziel? Reichtum? Ehre? Sinnenlust? Solche Ziele weisen ganz sicher in die falsche Richtung.“

„Warum?“

Bento hat alles gesagt, was er sagen wollte, doch ermutigt von den Fragen seines Kunden fährt er fort: „Solche Ziele vervielfältigen sich. Jedes Mal, wenn ein Ziel erreicht ist, brüten sie nur weitere Bedürfnisse aus. Folglich noch mehr Hasten, noch mehr Suchen, ad infinitum. Der wahre Weg zu unvergänglichem Glück muss anderswo liegen. Darüber denke ich nach, und darüber schreibe ich.“ Bento läuft puterrot an. Nie zuvor hat er solche Gedanken laut ausgesprochen.

Irvin D. Yalom, „Das Spinoza-Problem“

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