Ein Gott der Frechheit

Musik! Wie sich da aus Kratzen und Schaben, Zupfen, Pusten und Schlagen eine Weltstimmung, ein fröhlicher Hirntanz machen ließen, das war auch für Götter ein tolles Ding. Seit Hermes im Kopf des DRUMMER war, tanzte er dort vorsichtig zwischen Ammonshorn, Gewölbe und Lebensbaum auf und ab und merkte sich jeden Griff und Schlag, jeden Ton und Zusammenklang.

Eines war seltsam: die Menschen schienen jetzt die helleren Töne als die fröhlicheren zu empfinden, und tiefere zu nehmen, wenn sie Trauer und Tod meinten. In den Melodien, die er damals auf der Lyra gespielt hatte, zeigten helle Töne Entfernung und Einsamkeit, auch Kühle oder Abschied an, dunkle dagegen Nähe, Wärme, Freude. Irgend jemand hatte die Musik auf den Kopf gestellt und vielleicht mit ihr die Welt.

Sten Nadolny, „Ein Gott der Frechheit“

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