Ein Gott der Frechheit

Erstes Kapitel

Eine Art Auferstehung

Das Schiff durchquerte ein Gewässer von lauernder Ruhe. Hier war Schlimmes passiert, und vielleicht kehrte es wieder. Es war kalt. Noch zwei Tage bis zum griechischen Osterfest.

Außer der jungen Frau war niemand an Deck.

Das Ausflugsschiff näherte sich der Engstelle zwischen zwei Inseln von melancholischem Aussehen. An der einen ragte, wo sie der anderen am nächsten war, eine Steilwand aus schwarzem Fels auf, senkrecht fast, hoch wie eine Festung. Nicht die kleinste Pflanze schien dort zu gedeihen. Von weitem sah es aus wie eine Narbe, verhornt und verwachsen, beim Näherkommen bekam die Nacktheit des Gesteins einen metallischen Glanz. Von der Gegend ging Gewalt aus. Da stand etwas und drohte, überall zwischen Himmel und Wasser, vibrierend und unsichtbar. Eine Kraft vor dem Sprung, ein Blitz, noch lichtlos, kurz vor dem Aufzucken und Zuschlagen…

Sten Nadolny, „Ein Gott der Frechheit“

Ein Geschenk vom Kater!

 

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