Die Entdeckung der Langsamkeit

Er war unendlich müde. An seinen Untergang glaubte er nicht, aber es schien ihm dennoch, auf eine noch nicht bestimmbare Weise, alles aus, auch wenn es weiterging. Er konnte nicht mehr weinen wie ein Kind, schon weil er nicht mehr glaubte, daß Weinen in der Welt etwas änderte. Aber dafür nistete sich tief in seinem Inneren ein dauerhafter Kummer ein, lichtscheu und allgemeingültig. Er machte sich breit und hielt sich doch verborgen, er trug den Namen der Mary Rose, streckte aber die Finger nach allem anderen aus. John wollte nicht untergehen: er verlegte sich wieder auf Mithalten. Er vermied es sorgfältig, seine Fähigkeit der Mißbilligung weiter zu üben. Dafür erntete er Lob und wurde Leutnant. Das war nicht wenig.

Zehn Jahr überließ der die wichtigste Entscheidung, die über das eigene Leben, seiner Seekiste. Das wäre beinahe eine zu lange Zeit geworden.

Sten Nadolny, „Die Entdeckung der Langsamkeit“

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