Ich kämpfe um dich

Als ich den Film zum ersten Mal sah, war ich selber „spellbound“. Gebannt, verzaubert. Filme, die einen als junger Mensch bannen, verzaubern, hinterlassen angeblich einen unauslöschlichen Abdruck irgendwo im Gehirn, sagte neulich jemand in einem Bericht über die sogenannten „Chick Flicks“, romantische Liebesfilme, die vorwiegend auf ein weibliches Publikum abzielen. Auch unser Begriff von Schönheit wird geprägt von den Bildern, die uns in jungen Jahren umgeben. Wenn ich bedenke, dass mein Zimmer eine Zeit lang tapeziert war mit Aufnahmen all jener Frauen, die für mich der Inbegriff von Schönheit waren, angefangen bei Greta Garbo über Katherine Hepburn bis hin zu Liv Ullmann; dass ich deren Biographien verschlungen habe und jeden ihrer Filme sehen wollte… – Erwähnenswert in dem Zusammenhang mag auch die Tatsache sein, dass es zunächst die Vorlieben meiner Mutter waren, durch die ich in diese Richtung geimpft wurde.

Auch Ingrid Bergman gehörte dazu. Sie hat für mich bis heute nichts von der Faszination eingebüßt, die ihre Erscheinung auf der Bildfläche eines Films versprüht. Auf der emotionalen Ebene bin ich immer noch so gebannt, verzaubert wie eh und je. Auf einer anderen, der des Verstandes, betrachte ich einen Film wie „Spellbound“ natürlich mit mehr Distanz. Die Lösung eines Verbrechens durch eine Psychoanalyse im Hau-Ruck-Verfahren herbeizuführen, erscheint mir mittlerweile geradezu lächerlich. Und obwohl der Film den größten Teil seines dramaturgischen Reizes aus der Personalunion von Analytikerin und liebender Frau bezieht, wäre eine solche in der Realität womöglich ganz und gar undenkbar. Zur schauspielerischen Leistung von Gregory Peck schrieb die Süddeutsche Zeitung: „Er spielt mit den Kiefermuskeln und kneift die Augen zu, um auf diese Weise anzudeuten, dass mit ihm nicht alles in Ordnung ist.“ Am hinreißendsten ist immer noch das jugendliche Ungestüm des vermeintlichen Dr. Edwardes, mit dem er in die bis dato, was Liebesdinge anbelangt und nicht zuletzt durch ihren Beruf, klar abgegrenzte Welt der Constance Peterson hinein stolpert. Ein Blick genügt, und es ist um die Contenance der Analytikerin geschehen. Fortan sieht sie diesen Mann, mit dem eigentlich etwas nicht stimmt, zwar durch eine rosarote Brille, aber so, wie man einen geliebten Menschen sieht: Gebannt, verzaubert. Wie er wirklich ist. Ein schönes Bild hierfür liefert Hitchcock mit den sieben sich öffnenden Türen, als die beiden sich zum ersten Mal küssen. „Leider beginnen genau in dem Augenblick die Geigen zu spielen, das ist fürchterlich“, sagte Hitchcock später zu Truffaut, nachzulesen in dessen Buch „Mr. Hitchcock, wie haben sie das gemacht?“

Filme erzählen immer auch eine Geschichte über einen selbst. Etwas von der rätselhaften Faszination, die sie einmal auf den noch unentwickelten Verstand und die unfertigen Emotionen ausgeübt haben, bleibt, selbst wenn man das alles irgendwann vielleicht zu analysieren vermag.

Ich kämpfe um dich

Originaltitel: SPELLBOUND

Kriminalfilm, Literaturverfilmung

Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 1945
Produktionsfirma: Selznick
Länge: 111 Minuten
FSK: ab 16; f
Erstauffuehrung: 29.2.1952/17.11.1969 ZDF/21.2.1981 DFF 1/2.10.2002 Video & DVD
DVD-Anbieter: EuroVideo

Darsteller: Ingrid Bergman (Constance Peterson), Gregory Peck (John Ballantine), John Emery (Dr. Fleurot), Leo G. Carroll (Dr. Murchison), Rhonda Fleming (Mary Carmichael), Michael Chekhov (Dr. Alex Brulov), Donald Curtis (Harry); Produzent: David O. Selznick; Regie: Alfred Hitchcock; Drehbuch: Ben Hecht, Angus MacPhail; Kamera: George Barnes, Rex Wimpy; Musik: Miklos Rozsa; Schnitt: Hal C. Kern; Vorlage: Francis Beeding

Auszeichnungen

Oscar (1946, Beste Musik: Drama – Miklos Rozsa)

Inhalt

Eine Psychoanalytikerin verliebt sich in den neu in die Klinik gekommenen Chefarzt. Bald aber kommen ihr Zweifel an seiner Identität. Von einer Assistentin wird er des Mordes an einem Kollegen beschuldigt. Die Ärztin hilft dem an Gedächtnisschwund Leidenden durch eine Traumanalyse, seine Vergangenheit zu erkennen, und entlarvt den wirklichen Täter. Kunstvoll gestalteter, bemerkenswert gespielter Hitchcock-Krimi, der die Psycho- und Traumanalyse nicht unbedingt realitätsnah, aber effektvoll in die Handlung einbezieht.

Quelle: Filmlexikon

Mehr zum Film gibt es hier

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