The Destruction of the Father

22.06.2014, Nachtrag:

Bei der Mützenfalterin heute eine großartige Geschichte zu dieser Arbeit von Louise Bourgeois wiederentdeckt. Diese Geschichte ist ein Wunderwerk an Beobachtungsgabe und Einfühlungsvermögen. Und auch dem Werk der Bourgeois wie Aus dem Gesicht geschnitten.


Mein Vater redete pausenlos. Ich hatte nie Gelegenheit, etwas zu sagen. Da habe ich angefangen, aus Brot kleine Sachen zu formen. Wenn jemand immer redet und es sehr weh tut, was die Person sagt, dann kann man sich so ablenken. Man konzentriert sich darauf, etwas mit seinen Fingern zu machen. Diese Figuren waren meine ersten Skulpturen, und sie repräsentieren eine Flucht vor etwas, was ich nicht hören wollte. […] Es war eine Flucht vor meinem Vater. Ich habe zahlreiche Arbeiten zu dem Thema ‚The Destruction of the Father‘ gemacht. Ich vergebe nicht und ich vergesse nicht. Das ist das Motto, das meine Arbeit nährt.

Louise Bourgeois

Louise Bourgeois, „The Destruction of the Father (1974)

 

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13 Gedanken zu “The Destruction of the Father

  1. Eine ganz faszinierende Künstlerpersönlichkeit. Leider wird sie in der Rezeption oft pathologisiert. Sozusagen als zustandsgebundene Kunst. Das finde ich sehr ärgerlich.

    1. Eine Unterteilung in psychisch kranke und gesunde Künstler empfinde ich als Schwachsinn per se. Dann müsste die nicht zustandsgebundene Kunst ja konsequenterweise eine sein, die unter Ausschluss persönlicher Befindlichkeiten entsteht. Was ich mir wiederum überhaupt nicht vorstellen kann…

        1. Eben! Das ist für mich ein wesentlicher Aspekt der Kunst, die Dinge aus den tiefsten Tiefen zu schürfen und quasi zu sublimieren. Eine bessere Therapie kann es doch gar nicht geben…

        1. Es ist ein Dilemma mit der Kunstkritik und der Kunst“wissenschaft“. Da geht es ja doch in erster Linie um Kategorisierung und Schubladisierung, etwas, das den meisten Künstlern fremd sein dürfte. Wie widersinnig rationale Ansätze in diesem Bereich sind, hat der Gerhard Richter Film sehr schön gezeigt. Kategorisierungen spielen aber jedenfalls den Marketingstrategen in die Hände.

  2. Ich habe gesehen, wie sie dieses Zitat gesprochen hat, eine Frau von über achtzig Jahren. Das hat mich so tief berührt, wie selten etwas.
    Eine große Frau, weil sie ihr Leben lang daran gearbeitet hat, sich zu befreien. Ich achte sie sehr. Und übrigens: ich finde sie ist eine der schönsten Frauen überhaupt gewesen, gerade im Alter.

      1. Nein, es war ein Einführungsfilm zu einer Ausstellung in der Bielefelder Kunsthalle. Aber möglicherweise sind die beiden identisch. Ich kann das gerade nicht sehen, weil die Technik noch nicht ganz wiederhergestellt ist bei meinem Rechner.

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